Aus purer Verzweiflung:

Familie zahlt 1200 Euro für staatliche Schule

Wieder so ein Fall von Bürokraten-Irrsinn: Weil die Schulen in Penkun kein Geld mehr für jene Schüler erhalten, die aus Brandenburg kommen, sollten die auch nicht mehr eingeschult werden. Eine Ausnahme gab es vergangenes Jahr doch – zu einer Bedingung, die die Mutter der Schülerin gern wieder abschaffen würde.

Bianka Hinze mit ihren beiden Töchtern Josefin (links) und Anna-Lena. Da sie in Brandenburg nahe der Grenze zu MV wohnen, liegt die Schule in Penkun für sie am nächsten.
Denny Kleindienst Bianka Hinze mit ihren beiden Töchtern Josefin (links) und Anna-Lena. Da sie in Brandenburg nahe der Grenze zu MV wohnen, liegt die Schule in Penkun für sie am nächsten.

Damit ihre Tochter in die am nächsten gelegene Schule gehen kann, muss Bianka Hinze die Schulkosten von jährlich 1200 Euro komplett selbst bezahlen. Ihre Tochter geht aber nicht etwa auf eine Privatschule mit besonderem Leistungen. Ihre Tochter besucht die Regionale Schule in Penkun. Bianka Hinze bezahlt damit Schuldgeld für eine öffentliche Schule.

Die Familie wohnt fünf Kilometer entfernt von Penkun in Petershagen/Brandenburg. Seit im Jahr 2006 der Schullastenausgleich aus dem Staatsvertrag gestrichen wurde, übernimmt das Land nicht mehr die Kosten für die Schüler, die aus dem Nachbarbundesland kommen. „Das muss die Kommune selbst bezahlen“, sagt Penkuns Bürgermeister Bernd Netzel. Weil die Stadt kein Geld hat, sollten eigentlich auch keine Schüler aus Brandenburg mehr eingeschult werden.

Für die 13-jährige Anna-Lena, die Tochter von Bianka Hinze, machte man vergangenes Jahr eine Ausnahme - unter der Bedingung, dass die Hinzes zahlen. Sie tun es, um Anna-Lena den weiten Schulweg nach Schwedt oder Angermünde zu ersparen.

Doch nicht nur die Mutter, sondern auch Bernd Netzel wünscht sich nun, dass sich die Bundesländer in dieser Frage noch einigen. Zum Fall Hinze sagt der Bürgermeister: „Ich bin ziemlich sicher, dass die Annahme des Geldes eigentlich rechtswidrig ist.“

Kommentare (4)

Ja, welch ein Irrsinn. Soziale Bindungen sollen gekappt werden. Wenn Gesetzte es vorschreiben. Solche Traditionspflege gehört abgeschafft. Aber durch wen?

Hallo Tollensetaler, die Wahl Ihrer Überschrift ist nicht nachzuvollziehen. Es geht in diesem Text nicht um Ausländer, sondern die Tücken des förderalen Schulsystems. A. Wegwerth, Nordkurier-Redaktion

Ist "Ausländer" etwa ein Unwort? Brandenburg ist Ausland für MV. Was ist daran nicht nachvollziehbar?

Wenn das Nachbarbundesland, mehr oder weniger einen Steinwurf weit entfernt, für Sie schon Ausland ist, kann ich Sie nur bedauern. Andererseits lässt diese Sicht auf die Dinge den einen oder anderen Ihrer Kommentare in einem verständlicheren Licht erscheinen.