Eine Galerie der Landesherren:

Früher saß der Landesfürst mit im Wohnzimmer

Wirklich vorstellen kann man sich das nicht: Der Ofen im guten Wohnzimmer mit Kacheln des Porträts von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Was sich heute keiner vorstellen kann, war vor 380 Jahren gängige Mode. In Pasewalk wurden jetzt außerordentliche Exponate ausgegraben.

Thomas Hoche zeigt eine Ofenkachel mit dem christlichen Motiv Maria Verkündigung. Ausgegraben wurde sie in der Großen Ziegelstraße 4 bis 6.
Rainer Marten Thomas Hoche zeigt eine Ofenkachel mit dem christlichen Motiv Maria Verkündigung. Ausgegraben wurde sie in der Großen Ziegelstraße 4 bis 6.

Dürfte Thomas Hoche in der Großen Ziegelstraße 4 bis 6 in Pasewalk rechts und links weiter graben, er würde es gerne tun. Der Bodendenkmalpfleger und Grabungsassistent ist sich sicher, dass er dann mindestens einen kompletten mittelalterlichen Ofen ans Tageslicht holen würde. Seine Grabung allerdings muss er nur auf einen schmalen Schacht begrenzen. Der Schacht wurde ausgehoben, um die Kellerwände eines Wohnhauses der 1950-er Jahre trocken legen zu können. Was der Uhlenkruger ans Tageslicht holte, erhielt sofort den Stempel landesgeschichtlich bedeutsam.

Hoche barg aus dem Brandschutt des Dreißigjährigen Krieges komplett erhaltene Ofenkacheln. Überzogen mit einer dunkelgrünen Glasur stellen die Bildnisse die sächsische Herrscherreihe dar. Abgebildet sind Kurfürst August von Sachsen (Regierungszeit 1553-1586), Christian II. (1591 - 1611) und Johann Georg (1611 - 1656). Darüber hinaus kamen Ofenkacheln mit christlichen Motiven und Putten ans Tageslicht. Zwei beschädigte Kacheln tragen sogar den Namens  des Herstellers: Hans Bermann mit der Zahl "15XX".

"Pasewalk wurde durch die kaiserlichen Truppe vom 9. bis zum 11. September 1630 komplett zerstört. wir gehen davon aus, dass auch das Haus an diesem Standort ein Opfer der Flammen wurde und der Ofen in den Keller stürzte. Die Katastrophe wurde im Brandschutt fixiert. Damals war es Mode, den Landesherrn so zu verehren, dass  Ofenkacheln sein Bildnis erhielten", berichtet Grabungsleiter Stefan Rahde. Er hofft, die Fundstücke einmal im Stadtmuseum zeigen zu können.

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