Mühlentor:

Geht’s bald wieder hoch in die Turmstube?

Wenn es nach den Pasewalker Stadtvätern geht, dann wird das Mühlentor begehbar. Im Inneren des Backsteinbaus sind dann Geschichten darüber zu hören, wie das früher einmal war. Eine schöne Vorstellung. Oder?

100 Jahre alt ist diese Postkarte. Sie zeigt die von der Grünstraße aus zu sehende Ansicht des Mühlentores mit dem zugemauerten Zugang zum Tor.
Sammlung Wepner 100 Jahre alt ist diese Postkarte. Sie zeigt die von der Grünstraße aus zu sehende Ansicht des Mühlentores mit dem zugemauerten Zugang zum Tor.

Im Besitz des Pasewalker Sammlers Silvio Wepner befindet sich eine Feldpostkarte. Ein gewisser Gustav sendet im Ersten Weltkrieg schöne Grüße. Doch was aus heutiger Sicht viel interessanter ist: „Mühlenstraße und Mühlentor“ steht auf der colorierten Karte. Mühlenstraße ist falsch, denn es handelt sich um die Grünstraße. Aber das Foto gibt den Blick auf das mittelalterliche Mühlentor frei. Dort erkennt man sehr gut eine Holztür, die vernagelt ist. Das Mauerwerk verrät außerdem, dass hier einmal auch etwas zugemauert wurde.

Genauso wie auf der alten Postkarte, der derzeit bekanntesten ältesten Darstellung dieser Torseite, sieht es heute noch aus. Fotografiert wird meist die Frontseite des Backsteinbaus, durch den man einst zu den Wassermühlen der Stadt gelangte. Jahrhundertelang beschäftigte dieser zugemauerte Zugang niemanden. Aber jetzt rückt er wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Nicht nur, weil gleich daneben die Stadtmauer und der Turmstumpf saniert werden. „Wir möchten das Mühlentor gern begehbar machen“, meint Bauamtsleiterin Monika Hänsel. Denn Fakt ist, dass das 26,50 Meter hohe Bauwerk aus dem 14. Jahrhundert früher einmal einen Treppenaufgang hatte. „Ob der hölzern oder gemauert war, das ist nicht überliefert“, sagt die Fachfrau.

Die Stadtkasse war auch damals schon klamm

Auch Fotografien und andere Dokumente darüber, wie das einmal aussah, gibt es nicht. Ebenso wenig ist bekannt, wann unsere Vorfahren den Zugang vernagelten und die Treppe abrissen. Aber vermutlich geschah das, als vor mehr als 100 Jahren die heute noch stehenden Häuser gebaut wurden. Die stehen sehr dicht am Tor. Da war kein Platz mehr. Oder war der Turm so baufällig, dass ein Hinaufstieg in das Innere eine Gefahr gewesen wäre? Die Stadtkasse war auch damals schon klamm.

Fakt ist aber, dass es im Turm eine Turmstube gab. „In dieser könnte man die Geschichte unserer Wehranlagen sichtbar machen“, zeigt Monika Hänsel auf. Denn sie und ihre Mitstreiter ärgert schon seit Jahren, dass Pasewalk zwar noch gut erhaltene Stadttürme hat, aber man nirgendwo hineinkommt. Nur in das Prenzlauer Tor zog nach der Wende das Stadtmuseum ein.

Der Pulverturm und sein Kollege „Kiek in de Mark“ sind schön anzusehen. Aber wie sieht es in ihren Bäuchen aus? Das Mühlentor wieder begehbar zu machen, das wäre sowohl für die Einheimischen als auch für die Touristen eine Bereicherung, ist die Bauamtsleiterin sicher. Aber bis es soweit ist, muss nicht nur die Finanzierung geklärt werden. Auch mit der Denkmalpflege müssen noch Gespräche stattfinden.

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