Barrieren für Asylbewerber:

Hilfsarbeiter gesucht: Doch Flüchtlinge haben schlechte Karten

Die Zahl arbeitsloser Ausländer ist in Vorpommern-Greifswald drastisch gestiegen - und die offiziellen Statistiken zeigen nur einen Teil der Wahrheit. Jobs gäbe es vielleicht noch, aber in MV will man sich von formalen Hürden nicht trennen. Dabei ist laut Agentur für Arbeit die Angst, dass Asylwerber Einheimischen die Arbeitsplätze wegnehmen, völlig unbegründet.

Optimistisch bleiben: Heiko Miraß, Chef der Arbeitsagentur im Landkreis, spricht von Illusionen bei den Flüchtlingen, wenn es um die Integration in den Arbeitsmarkt geht.
G. Kords / Archiv Optimistisch bleiben: Heiko Miraß, Chef der Arbeitsagentur im Landkreis, spricht von Illusionen bei den Flüchtlingen, wenn es um die Integration in den Arbeitsmarkt geht.

Die hohe Zahl an Flüchtlingen, die im vergangenen Jahr nach Deutschland kam, zeigt sich erst nach und nach in den offiziellen Statistiken der Arbeitsagentur. Gut 700 arbeitslose Ausländer im Kreis Vorpommern-Greifswald – diesen Stand meldete die Agentur vor einigen Tagen. Doch die Statistik spiegelt nur einen Ausschnitt der Realität wieder. Erfasst werden nur diejenigen, die schon eine Aufenthaltsgenehmigung haben. Im Landkreis läuft allerdings noch eine vierstellige Zahl an Verfahren. Auch wer einen Sprach- oder Integrationskurs besucht wird nicht in der Arbeitslosenstatistik geführt.

Integration in den Arbeitsmarkt

Wie die Chancen realistisch stehen, dass Hunderte Flüchtlinge in naher Zukunft Jobs in der Region finden, so genau will das derzeit niemand prognostizieren. Eine Untersuchung der Bundesagentur für Arbeit kommt zu dem Fazit: Die Integration in den Arbeitsmarkt habe sich im Vergleich zu vorherigen Jahrzehnten schon verbessert. Problematisch ist sie immer noch.

Im ersten Jahr nach dem Zuzug liege die Beschäftigungsquote demnach bei unter zehn Prozent. Innerhalb der ersten fünf Jahre steige sie dann immerhin auf 50 Prozent an. Erschwerend käme nun allerdings hinzu, dass mit den Fluchtbewegungen aus Kriegsgebieten im Nahen Osten mehr Menschen ohne eine Berufsausbildung nach Deutschland kämen.

"55 Prozent der Flüchtlinge sind unter 25 Jahre"

Was vielen Kritikern der Asyl-Politik als Argument dient, sieht man beim "Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung" allerdings als Chance. "Angesichts des geringen Durchschnittsalters – 55 Prozent der Flüchtlinge sind unter 25 Jahre – besteht ein erhebliches Potenzial. Das durch Investitionen in Bildung und Ausbildung qualifiziert werden kann", heißt es in dem Bericht.

Bei der Agentur im Landkreis klagt man allerdings noch über bürokratische Hürden. Ziel müsse es sein, dass Asylbewerber möglichst früh – im Zweifel auch ohne einen Aufenthaltsstatus – in Arbeit gebracht werden. Dafür ist bislang häufig eine sogenannte Vorrangprüfung erforderlich. Kurz gefasst: Es muss nachgewiesen werden, dass der Job nicht genau so gut von jemandem erledigt werden könnte, der regulär in Deutschland lebt.

"Ich hätte mir gewünscht, dass man im Land da mutiger ist."

"Das bedeutet natürlich einen höheren Aufwand", so Heiko Miraß, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit im Landkreis. Die Bundesregierung habe dafür inzwischen Erleichterungen vorgesehen, die aber in Mecklenburg-Vorpommern bislang nicht gelten. "Ich hätte mir gewünscht, dass man im Land da mutiger ist", kritisiert er.

Denn in der Region fehle es vielerorts an Hilfsarbeitern. "Einen Mangel an Fachkräften haben wir schon länger. Aber selbst bei einfachen Tätigkeiten ist der Markt inzwischen leer gefegt", sagt Miraß. Sorge darum, dass Asylwerber Einheimischen die Arbeitsplätze wegnehmen, seien deshalb völlig unbegründet. "In vielen Bereichen sind die Flüchtlinge mit deutschen Bewerbern ohnehin nicht konkurrenzfähig. Das liegt schon an der Sprachbarriere", so der Agentur-Chef.

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