Weniger EU-Geld:

Jugendclubs in Gefahr: Wer muss zuerst zumachen?

Noch gibt es keine nennenswerten weißen Flecken auf der Karte mit Jugend-Angeboten im Landkreis. Doch das könnte sich schon im nächsten Jahr ändern. Denn das Geld wird knapp – und muss verteilt werden. Die Kreispolitik soll jetzt entscheiden, welcher Jugendclub im Ernstfall als erstes dichtmachen muss.

Weil es künftig weniger EU-Gelder für die Jugendförderung gibt, erstellt die Kreisverwaltung eine Prioritätenliste, damit im Falle des Falles klar ist, wo als Erstes gekürzt werden kann.
             
Jan-Peter Kasper Weil es künftig weniger EU-Gelder für die Jugendförderung gibt, erstellt die Kreisverwaltung eine Prioritätenliste, damit im Falle des Falles klar ist, wo als Erstes gekürzt werden kann.  

Es ist ein stolzes Sümmchen, das der Landkreis im vergangenen Jahr für die sogenannte Jugendförderung ausgegeben hat: Rund 250 000 Euro flossen aus dem Kreishaushalt für die aktuell 36 167 Jugendlichen zwischen 10 und 26 Jahren im Landkreis. Doch das meiste Geld kam von anderer Stelle: Das Land gab knapp 200 000 Euro, die EU zahlte noch mal deutlich über eine halbe Million, und auch die Gemeinden beteiligten sich an der Finanzierung. Insgesamt fließen über zwei Millionen Euro in die Jugendarbeit im Kreis.

Und wofür das alles? Im Wesentlichen für zwei Bereiche: 95 Sozialarbeiter gibt es im Landkreis, 52 sind Schulsozialarbeiter, 43 sind Jugendsozialarbeiter. Bloß: Das wird wohl nicht auf ewig so bleiben. Weil die EU in Zukunft weniger Geld gibt, muss gespart werden – und zwar an der Jugendsozialarbeit. Ab kommendem Jahr sinken die EU-Zuschüsse um jährlich fünf Prozent.

Viel ist das nicht, doch gefährdet sind die bisherigen Angebote trotzdem: „Wir müssen jetzt herausfinden, ob es Möglichkeiten gibt, die wegfallenden Gelder aus anderen Quellen zu ersetzen“, sagt Karina Kaiser, Leiterin des Kreis-Jugendamts.

Und so könnte es am Ende durchaus sein, dass der eine oder andere Jugendclub dichtmachen muss, wenn sich niemand findet, der die Finanzierung sichert. Doch wie findet man heraus, welcher Jugendclub eventuell verzichtbar ist und welcher unbedingt erhalten bleiben muss? „Klar, der Idealzustand ist, dass alles so bleibt, wie es ist, oder sogar noch ausgebaut wird“, sagt Lars Bergemann (Linke), Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses. Aber das sei nun mal nicht so – und man könne ja schließlich nicht den Sand in den Kopf stecken. Kristina Kaiser vom Jugendamt spricht dann auch von einer „denkbar undankbaren Aufgabe“ für sie und ihre Kollegen.

Denn die Kreisverwaltung hat nun aufgelistet, welche Angebote es in der Jugendsozialarbeit aktuell gibt. Nun muss eine Prioritätenliste erstellt werden, damit im Falle des Falles klar ist, wo als Erstes gekürzt werden kann. Eine Rolle spielen soll neben der geografischen Verteilung der Angebote über den ganzen Kreis vor allem die Frage, wie viele Besucher die Einrichtungen haben. Das fordert jedenfalls der SPD-Politiker Patrick Dahlemann: „Ob ein Jugendclub am Tag von fünf oder 30 Leuten besucht wird, ist schon ein Unterschied.“ Bloß: Ist es auch der einzige Faktor?

Mancher Jugendsozialarbeiter ärgert sich jedenfalls darüber, dass an seinem Job gespart werden soll, nicht aber an denen der Schulsozialarbeiter. Ein Jugendarbeiter, der lieber anonym bleiben möchte, sagt: „Sicher erreicht der Schulsozialarbeiter mehr Kinder. Aber es liegt doch auf der Hand, dass Kinder auch Anlaufpunkte außerhalb der Schule brauchen.“