Trick oder Trend?:

Kampfhunde lösen sich in Luft auf

Rätselhaft: In Pasewalk gibt es offiziell keinen einzigen Kampfhund mehr. Auch im Amt Uecker-Randow-Tal sind sie ausgestorben. Greifen behördliche Verordnungen? Oder wird da vielleicht rumgetrickst?

Das ist ein typisches Bild, das sich jeder von einem Kampfhund macht. Allerdings kommen die Tiere nicht aggressiv auf die Welt, sondern sie werden von der Umwelt und ihren Haltern geprägt.
Foto: Archiv Das ist ein typisches Bild, das sich jeder von einem Kampfhund macht. Allerdings kommen die Tiere nicht aggressiv auf die Welt, sondern sie werden von der Umwelt und ihren Haltern geprägt.

Vor 15 Jahren waren sie das große Thema: Kampfhunde. Nach dramatischen und sogar tödlichen Angriffen von Hunden einschlägiger Rassen handelte auch in unserer Region die Politik und erließ strenge Verordnungen. Seitdem gelten Pitbulls, Staffordshire Terrier und andere Rassen als die gefährlichsten Hunde des Landes. Ihre Haltung ist mit drastischen Einschränkungen verbunden.

Es scheint, als hätten die Verordnungen auch bei uns Konsequenzen. Denn eine Nordkurier-Umfrage ergab, dass in den Gemeinden von Strasburg bis Pasewalk, von Löcknitz bis Penkun, immer seltener Rassen gehalten werden, die als aggressiv oder bissfreudig gelten.

Aus den Dörfern des Amtes Uecker-Randow-Tal wurden vor rund 15 Jahren noch über 20 Tiere gemeldet, erinnert sich Haupt- und Ordnungsamtsleiterin Angela Klos. "Heute ist im Amt kein Hund gemeldet, der dieser Liste zugeordnet werden kann".

Hohe Hürden: Sachkundenachweis und teurere Hundesteuer

 

Die Amtsleiterin vermutet dafür drei Gründe. Erstens seien viele der damals gemeldeten Tiere in den vergangenen 15 Jahren schlichtweg gestorben. Zudem sei der geforderte Sachkundenachweis für Halter eine mächtige Hürde. "Viele Leute verzichteten dann lieber auf eine der genannten Rassen“, vermutet Klos. Und drittens wirke die politisch gewollte höhere Hundesteuer von bis zu 300 Euro im Jahr je Tier.

Obwohl Pasewalk nur 200 Euro für einen Listenhund kassiert, vollzog sich auch hier ein Sinneswandel: Offiziell gemeldet ist kein Kampf- oder Listenhund, sagt Ines Umnick, Sprecherin der Stadtverwaltung. Andererseits seien im Stadtgebiet auch noch kein intensiven Kontrollen erfolgt. „Wir arbeiten daran, immer eine aktuelle Übersicht über alle Hunde zu erhalten".

Gefährliche Trickserei beim Tierarzt

In Strasburg kostet ein Kampfhund 400 Euro Hundesteuer. Angesichts dieser Summe ging auch hier die Zahl der Listenhunde drastisch zurück. „Im konkreten Einzelfall stehen wir immer wieder vor der Frage, ob ein Hund zu der Kategorie gehört oder nicht“, sagt Dirk Röhl, Sachbearbeiter im Ordnungsamt.

Röhl benennt damit ein Problem, das alle Behörden haben: Kaum ein Tierarzt ordnet einen Hund eindeutig einer der Listenrassen zu. Vielmehr lassen sich die Halter gerne bescheinigen, dass ihr Hund ein harmloser Mischling sei. Das Gegenteil ist kaum zu beweisen. So kommt es vor, dass einige Hunde zwar verdächtige Ähnlichkeit mit Kampfhunden haben, bei den Behörden aber nicht als solche in Erscheinung treten.