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Marktscheunen-Pächterin gibt auf

Nachdem die Marktscheune drei Jahre lang leer stand, wagte Ina Friedrich-Schossow im März 2012 dort ihr Experiment mit regionalen Produkten. Aber auch sie scheiterte – und spricht trotzdem von einer schönen Zeit mit vielen Erfahrungen.

Im März 2012 pachtete Ina Friedrich-Schossow die Pommersche Marktscheune. Aber auch sie musste feststellen, dass die Region für ein solches Vorhaben nicht reif ist.
Rainer Marten Im März 2012 pachtete Ina Friedrich-Schossow die Pommersche Marktscheune. Aber auch sie musste feststellen, dass die Region für ein solches Vorhaben nicht reif ist.

Sie sollte immer etwas Besonderes sein – die Pommersche Marktscheune am Stadtrand von Pasewalk. Landwirte, Bäcker, Floristen, Fleischer bis zu Kleingärtnern und Imkern sollten dort ihre Erzeugnisse anbieten. Käse aus Bandelow, Wildbret aus Torgelow, Obst und Gemüse aus dem privaten Hausgarten – das war die Idee des Landfrauenverbandes und des Berufsförderzentrums 2003, als das Projekt auf den Weg gebracht wurde. Das Schweriner Landwirtschaftsministerium bewilligte Anfang 2004 sogar 274 400 Euro Fördergelder, damit eine Heuscheune zum Handelsplatz wird. Eine damals unter Pasewalks Kommunalpolitikern umstrittene Förderung.

Zwei Jahre später: Die Landfrauen als erste Betreiber der Marktscheune scheiterten mit dem Projekt. Diplom-Wirtschaftsingenieurin Christine Conrad aus Hammer versuchte es ab August 2007. Aber auch sie schaffte den großen Durchbruch nicht und gab rund zwei Jahre später auf.  Schließlich, März 2012: Ina Friedrich-Schossow pachtet die Liegenschaft und startet den dritten Versuch. Jetzt gibt auch sie auf: Heute räumt die Pächterin das Lager, Ende Februar gibt sie die Schlüssel zurück. Drei Jahre voller Engagement enden. „Der Durchbruch ist auch mir nicht gelungen“, bedauert sie.

„Ist es die Lage, ist es das Kaufverhalten der Pasewalker und der Gäste der Stadt oder ist es die Zeit, die ein individuelles Angebot mit einem leicht gehobenen Preis noch nicht erlaubt? Ich weiß es nicht“, sagt sie. „Aber ich habe auch anderes erlebt: Auf Märkten an der Ostsee konnte ich über das Kaufverhalten der Besucher nicht klagen. Regionale Produkte waren da immer gefragt. Also an den Herstellern und an der Qualität der Erzeugnisse kann es nicht gelegen haben.“ Aber die Uecker-Randow-Region sei nun einmal eine Region mit einem sehr geringen Pro-Kopf-Einkommen.

„Wer Neues will, muss Neues wagen“

„Zuletzt ging ich neben meinem Job als Marktpächterin weiteren Arbeiten nach, um leben zu können. Ich habe gekellnert und war in der Hauswirtschaft tätig, denn von dem Verkauf konnte ich nicht leben.“ Wenn sie einen Zweitjob erledigte, hat ihr Mann Jürgen Schossow in der Marktscheune die Stellung gehalten. Nur noch montags, donnerstags und freitags war offen.

Trotzdem blickt Ina Friedrich-Schossow ohne Gram auf die drei Jahre zurück: Wer Neues will, muss Neues wagen, meint sie. „Ich habe viel gelernt und eine ganze Region bis Boltenhagen während meiner Händlerzeit kennengelernt. Ich bin dankbar für die Zusammenarbeit unter anderem mit der Käserei in Bandelow, der Schmalzmanufaktur in Torgelow, der Fleischerei in Anklam und der Wildfleischerei in Torgelow. „Die Marktscheune sollte die Region bereichern. Das Ziel hat sie leider nicht erreicht.“ Unter anderem haben Kleinerzeuger ihre Chancen nicht erkannt, dort Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus der eigenen Produktion zu etablieren.

„Mir fällt der Abschied von Freunden, Partnern und Mitstreitern schwer. Es waren drei Jahre voller Hoffnung auf Besserung. Die Jahre habe ich genutzt, um zu lernen, um zu reifen“, sagte die Betreiberin. Sie gibt ihre Selbstständigkeit mit einem weinenden und einem lachenden Auge auf. Schossows verlassen die Uecker-Randow-Region und wagen einen Neustart in Boltenhagen. In einem Hotel wird Ina Friedrich-Schossow das machen, was sie auch in Pasewalk getan hat: Handeln, Kellnern, Hauswirtschaft. Und die Marktscheune? Vielleicht gibt es einen Neustart. Irgendwann.