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Miese Telefonabzocke ist bei uns schon Alltag

In Pasewalk wurde ein 79-Jähriger am Telefon von einem falschen Polizisten um mehrere Tausend Euro geprellt. Bekommt er nun sein Geld wieder? Wie gehen die Banken mit solchen Fällen um? Wir fragen nach.

Zwei Rentner sind jetzt viel Geld los.
Karl-Josef Hildenbrand/dpa-Archiv Zwei Rentner sind jetzt viel Geld los.

Der Fall sorgte für viel Aufsehen: Ein falscher Polizist hat einen Pasewalker Rentner um mehrere Tausend Euro betrogen. Zunächst rief jemand bei dem Mann an, um ihm einen Lottogewinn zu versprechen. Darauf reagierte der Pasewalker aber nicht. Bei einem weiteren Versuch gab sich der Anrufer als Kriminaloberkommissar aus München aus, der Betrüger in der Türkei jage. Daraufhin überwies der 79-Jährige zweimal Geld in das Land – im Glauben dem Polizisten zu helfen. Erst beim dritten Anruf wurde er misstrauisch und meldete das der Polizei.

Drohung mit U-Haft

Doch der Pasewalker war nicht das einzige Opfer, wie  Mittwoch bekannt wurde. Auch in Nordwestmecklenburg schlugen falsche Polzisten zu: Einer 70-jährige Frau in Gadebusch wurde am Telefon mit Untersuchungshaft gedroht, wenn sie nicht Geld überweist. Sie überwies – insgesamt dreimal. Zwei ungeheuerliche Fälle. Doch was ist jetzt mit den Opfern? Bekommen Sie ihr Geld zurück?

Nein, sagt ganz klar Udine Strey, Bereichsleiterin für Privatkunden bei der VR-Bank Uckermark-Randow, im Fall des Pasewalkers. „Die Überweisung ist ordnungsgemäß unterzeichnet und damit der eigene Wille“, sagt sie. Wie die Fachfrau berichtet, werden die Bankmitarbeiter zwar geschult, was ungewöhnliche Überweisungen hoher Geldsummen ins Ausland angeht, und hinterfragen einige Dinge beim Kunden. „Aber man darf das auch nicht übertreiben. Manche Kunden wollen das nicht. Jeder entscheidet für sich selbst“, sagt sie. Wenn jemand Onlinebanking mache oder Geld über das Terminal überweise, könnten die Bankmitarbeiter ohnehin keinen Einfluss nehmen. „Es sind längst nicht mehr nur die jungen Leute, die diese Überweisungsformen nutzen“, berichtet sie.

Nicht zu leichtgläubig sein

Auch in der Sparkasse Uecker-Randow war der Vorfall Anlass, um mit den Mitarbeitern wieder einmal über das Thema „Betrug“ zu reden, sagt deren Sprecherin Jana Gaube. „Unser Vorteil ist, dass wir auch in den kleinen Geschäftsstellen die Kunden kennen“, meint sie. Heben vor allem ansonsten sparsame ältere Kunden mit einem Mal größere Summen ab, wird der Grund schon hinterfragt. „Solche Fälle sind selten, aber sie kommen vor“, sagt die Bank-Sprecherin. In der Vorwoche beispielsweise berichtete eine Kundin, dass sie über ein Zeitschriften-Abo 2136 Euro gewonnen hat. Bevor aber der Koffer mit dem Geld übergeben werden kann, sollte sie Geldsummen auf Karten aufladen. „Das kam uns natürlich komisch vor“, so die Sprecherin. Der Kundin wurde geraten, zur Polizei zu gehen.

In Penkun wollte eine Kundin eine fünfstellige Summe bar abheben, was für sie ansonsten untypisch ist. Als die Bankangestellte nachfragte, erzählte sie, dass ihr Enkel das Geld braucht. Da schrillten die Alarmglocken! Der Frau wurde geraten, erst mal beim Enkel nachzufragen, ob das wirklich so ist. Der wusste nichts davon. „So etwas wird bei uns natürlich ausgewertet“, sagt Jana Gaube.

Aber manchmal kommt es auch vor, dass Bankmitarbeiter gegenüber den Kunden Bedenken äußern, diese aber trotzdem darauf bestehen, das Geld ins Ausland zu überweisen. Diese Erfahrung machte Birgit Lintow, Filialleiterin der Commerzbank in Pasewalk. Einer dieser Kunde hatte aber Glück. Auf Kriminelle, die es auf ihn abgesehen hatten, waren deutschlandweit mehrere Leute hereingefallen, ein Anwalt schaltete sich ein – und die Bank konnte das Geld zurücküberweisen. Das ist aber selten der Fall. Und so bleibt nur eines: Nicht zu leichtgläubig sein und misstrauisch werden, wenn jemand Ihnen einen Gewinn verspricht – oder an Ihr Geld will.

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