Rechtsradikale Hetze:

Mitten im Wald wohnt plötzlich der blanke Hass

Früher galt er nur als vermögender Sonderling, der auf einem gewaltigen Grundstück mitten im Wald seine Eigenbrötlerei pflegte und weitgehend den Kontakt mit anderen Menschen mied. Jetzt verstört er sein Umfeld allerdings mit widerwärtigen Hetz-Schildern. Die Polizei ist seit Monaten informiert, passiert ist nichts.

Aufruf zum Hass: Was der „Comandante Don Cravallo“ auf die Schilder unter seinem Briefkasten geschrieben hat, ist strafbar. Der Nordkurier will diese Volksverhetzung nicht weiterverbreiten und hat deshalb Teile der Schilder geschwärzt.
ZVG Aufruf zum Hass: Was der „Comandante Don Cravallo“ auf die Schilder unter seinem Briefkasten geschrieben hat, ist strafbar. Der Nordkurier will diese Volksverhetzung nicht weiterverbreiten und hat deshalb Teile der Schilder geschwärzt.

Es geht gegen „Juden“ und „Zigeuner“, gegen „Homosexuelle“ und „Neger“. Der blanke Hass auf Menschen, die im Nationalsozialismus zur Zielscheibe des Rassenwahns wurden: Gut lesbar wird er auf Schilder-Scheußlichkeiten propagiert, die Passanten am Grundstückstor empfangen. Auf einem Schild wird sogar mit „Endlösung“ gedroht. Für die vom Nordkurier befragten Juristen ist der Fall klar: Volksverhetzung (§ 130 Strafgesetzbuch, es drohen drei Monate bis fünf Jahre Haft). Und doch: Seit Monaten hängen die Schilder, obwohl Anwohner bereits Kontakt mit der Polizei aufgenommen haben.

Mewegen bei Löcknitz, ein Waldgrundstück außerhalb des Ortes, nicht weit von der polnischen Grenze. Wer so wohnt, kann eigentlich machen, was er will. Hier leben Menschen, die ihre Ruhe wollen, die den Nachbarn in Frieden lassen. Aber das wollten die Anwohner dann doch nicht tolerieren, auch wenn die Schilder auf Privatgelände stehen. Ein Gelände übrigens, das womöglich das ungastlichste in ganz Vorpommern ist. Eine ganze Kaskade von immer bedrohlicher werdenden Warnschildern tut sich am Beginn eines Waldweges auf, der zum Grundstück führt. Am Ende wird sogar mit Schusswaffengebrauch gedroht. Und das auf dem Gelände eines passionierten Großwildjägers, der seiner Leidenschaft schon häufig in Afrika nachging.

Mittlerweile ist der Mann, der sich schon früher als „Don Cravallo“ titulierte und seinem selbstgewählten Spitznamen durch barsches, teils sogar bedrohliches Auftreten alle Ehre machte, über 70 Jahre alt. Ob er nun ungehemmt eine rechtsradikale Gesinnung auslebt oder sich nun womöglich „nur“ einen morbiden Spaß daraus macht, damit eine als „politisch überkorrekt“ empfundene Umwelt zu verhöhnen und zu provozieren oder er womöglich einfach die Rolle des dumpfen Nazis spielt, um Einbrecher abzuschrecken: Das lässt sich nicht klären.

Polizei reagiert erst nicht, dann ungewohnt hektisch

Denn Nachfragen werden rigoros abgebügelt mit dem Hinweis auf „Privatsache“ und „Privatgelände“. Allerdings trat der Mann noch nie durch rechtes Gedankengut in Erscheinung, wohl aber durch eine gewisse Weltläufigkeit und Bildung. Umso erstaunlicher, dass er sich dann einem solchen Risiko der Strafverfolgung aussetzt. Denn bei Volksverhetzung werden die Behörden hellwach. Denn auch, wenn nach ersten Hinweisen aus der Bevölkerung monatelang nichts passierte: Als der Nordkurier jetzt nach entsprechenden Leserhinweisen beim Polizeipräsidium in Neubrandenburg sachte nachfragte, ob die Behörde schon tätig geworden sei, reagierte man dort mit ungewohnt hektischen Aktivitäten, die bei anders gelagerten Anfragen sonst nicht anzutreffen sind. Fieberhaft wurde nach dem Vorgang gesucht. Ergebnis: Er hat es nie bis zu den zuständigen Stellen in Neubrandenburg geschafft.

„Don Cravallo“ wird jetzt wahrscheinlich schnell merken, dass es eben doch keine Privatsache ist, wenn man in dieser Weise die Menschenwürde ganzer Bevölkerungsgruppen verletzt.

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