Witwe entsetzt:

NPD-Mann will Dambachs Nachfolger werden

Sie sieht das Erbe ihres Mannes Rainer Dambach verraten: Waltraud Gundlaff kann nicht verstehen, wie jetzt ein NPD-Mitglied zur Bürgermeister-Wahl zugelassen werden konnte. Dabei war doch Dambach vor allem eins: ein Bekämpfer der Nazis.

Waltraud Gundlaff, die Witwe von Rainer Dambach, ist empört über die Entscheidung des Kreiswahlausschusses.
Angela Stegemann/Archiv Waltraud Gundlaff, die Witwe von Rainer Dambach, ist empört über die Entscheidung des Kreiswahlausschusses.

Waltraud Gundlaff ist geschockt: „Es kann nicht sein, dass ein NPD-Mitglied vom Kreiswahlausschuss als Bürgermeisterkandidat zugelassen wird. Ein Novum für Mecklenburg-Vorpommern: Ein Rechtsextremist kandidiert als Wahlbeamter!“ Sie sieht damit das, was ihr Mann als Gründer der Initiative „Vorpommern: weltoffen, demokratisch, bunt!“ über Jahre aufbaute, mit Füßen getreten. Ein Rechtsextremist soll nun also ausgerechnet Rainer Dambach im Amt beerben – das ist für Waltraud Gundlaff unfassbar. Rainer Dambach sei aufgestanden gegen offenen und versteckten Rechtsextremismus in Vorpommern, habe auf eine Auseinandersetzung mit Rassismus, Menschenverachtung und Intoleranz gesetzt. „Wir brauchen eine wahrhafte und wehrhafte Demokratie – im Sinne und in der Nachfolge von Rainer Dambach“, fordert Waltraud Gundlaff.

Eigentlich sollte, als die Volkssolidarität am Wochenende ihre Ehrenamtler ehrte, die Politik außen vor bleiben. Doch Koordinatorin Brigitte Seifert, ehemalige Vorsitzende des Pasewalker Unternehmervereins, meinte: „Ich muss das sagen. Dass ein Kreiswahlausschuss Kristian Belz zur Wahl zulässt, ist nicht zu begreifen. Ich hoffe, dass die Pasewalker zur Wahl gehen und entweder Andreas Fabian oder Sandra Nachtweih wählen. Bitte machen Sie alle mobil“, forderte sie auf.

Auch Leser empört

Dass erstmals ein NPD-Mann in Mecklenburg-Vorpommern in einer Stadt zu Bürgermeisterwahlen zugelassen wird, beunruhigt auch unsere Leser, die nicht in Pasewalk wohnen. Wolfgang Dietrich aus Strasburg bezeichnet die Entscheidung des Kreiswahlausschusses als „eine Ungeheuerlichkeit“. „Nazis darf der Weg zu staatlichen Ämtern nicht geöffnet werden. Haben sich diejenigen, die den NPD-Mann jetzt auf die Kandidatenliste setzten, nicht mit der Programmatik und den Zielen der NPD befasst? Hätten sie es getan, wüssten sie um deren Charakter, der unvereinbar ist mit dem Grundgesetz“, meint unser Leser. Es sei wohl kaum davon auszugehen, dass Kristian Belz, der die NPD jahrelang die Treue hielt, ausgerechnet jetzt, wo er dieses Amt ansteuert, sich von ihr distanziert.

Vorbei sind wohl erst einmal die Zeiten, da Medien bundesweit darüber berichteten, dass sich eine Region erfolgreich gegen Rechtsextremismus zur Wehr setzt. Jetzt ist Pasewalk die Stadt, in der ein NPD-Mann zur Bürgermeisterwahl antreten darf.

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Kommentare (1)

zu einer Wahl zugelassen zu werden bedeutet ja glücklicherweise nicht gleichzeit "gewählt werden" !!!