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Ohne Harz keine AmerikaEntdeckung

VonGabriele HeydenDie Forstsamendarre Jatznick hat ihren 90. Geburtstag gefeiert undein großes Geschenk bekommen.Uecker-Randow.Dass die Landesforstanstalt ...

Die Jagdhornbläser der Jägerschaft Uecker-Randow sorgten für zünftige musikalische Unterhaltung.

VonGabriele Heyden

Die Forstsamendarre Jatznick hat ihren 90. Geburtstag gefeiert und
ein großes Geschenk bekommen.

Uecker-Randow.Dass die Landesforstanstalt mehr als 120000 Euro in die Hand genommen hat, um auf dem Gelände der Forstsamendarre Jatznick einen neuen Pavillon entstehen zu lassen, zeugt von der Wertschätzung, die diesem forstwirtschaftlich und touristisch genutztem Denkmal entgegen gebracht wird. Ein wunderbares Geburtstagsgeschenk zum 90., findet Eberhard Behrendt. Er ist nun mittlerweile seit zwölf Jahren Leiter der Darre, die niemals Langeweile im Beruf aufkommen lässt.
Am Wochenende hatten er und seine Mitarbeiter zur großen Geburtstagsfeier eingeladen. Zahlreich folgten Darre-freunde dieser Einladung, nicht nur, weil ein neues Gebäude mit einer neuen Ausstellung eröffnet wurde. Auf dem gesamten Gelände des Forstbetriebes lauerten Überraschungen. Beispielsweise an einer etwa 30 Meter hohen Kiefer. Die Zapfenpflücker des Forstamtes Rothemühl, Ingo Arndt und Mathias Schober, luden dort zum Klettern ein. Eine, die sich traute, war Elke Milke. Die Forstingenieurin, die sonst eher im Büro anzutreffen ist, zeigte Mut, Kraft und Geschicklichkeit. „Das ist total anstrengend“, lautete ihr Fazit. Ingo Arndt und Mathias Schober wissen das. Die Klettern hauptsächlich an Douglasien empor, um deren Zapfen samt Samen zu ernten. Da kann es schon mal 45 Meter hoch gehen, erfuhren die Geburtstagsgäste.
Lautstark machte ein Stück weiter modernste Forsttechnik auf sich aufmerksam. Greifer, Rücker und Säger in einem, verwandelte das große Ungetüm zahlreiche lange Baumstämme in ofengerechte Stücke. Das tat die Maschine allerdings erst, nachdem das neue, mit Holzschindeln verkleidete Ausstellungsgebäude und die darin befindliche Ausstellung eröffnet waren. Dass das Haus zu den anderen Neubauten auf dem Gelände passt, dafür hat der Ueckermünder Architekt Hartmut Roth gesorgt. Dass darin nun eine weitere interessante Ausstellung zu sehen ist, ist Günter Haim zu verdanken, der die Schau gestaltet und bestückt hat. Der Forstmeister a.D. ist ein Sammler, wie er verriet. Von 1959 bis 1967 war er im Bereich Forsttechnik in Königs Wusterhausen beschäftigt. Das Ergebnis ist eine Motorsägensammlung, die irgendwann weltweit komplett war. Was nun tun, lautete die Frage. Und so widmete er sich der Geschichte der Harzung unterstützt von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald ABEKOM. Von Asien aus gelangte die Technik der Harzgewinnung in den Mittelmeerraum und von dort zu uns. Der Holzschiffbau brauchte Harz. „Wenn das Harz nicht gewonnen worden wäre, wäre Columbus nie bis Amerika gekommen“, meint Günter Haim. Viele Schätze hat er für die Schau in der Samendarre zusammengetragen. Eine Vitrine zeigt Arbeitsgeräte von 1918, die bis vor zwei Jahren im Erdboden auf ihre Wiederentdeckung warteten. „Ein Aufruf in der Presse hat viele Stücke zu Tage befördert“, erklärte er. 2000 Euro schätzt er den musealen Wert dieser Geräte, die einst achtlos liegen gelassen worden sind.