Zeuge wollte ihn stoppen:

Prozess um Polizist unter Adrenalin

Außerhalb der Dienstzeit wollte ein Polizist eine Frau festnehmen. Als sie sich wehrte, riss er sie zu Boden. Vor Gericht stand jetzt ein junger Mann, der dazwischenging.

Ein Polizist stand bei einer Verhaftung so unter Strom, dass ein Zeuge ihn beruhigen musste. Der kam nun vor Gericht.
NK-Archiv Ein Polizist stand bei einer Verhaftung so unter Strom, dass ein Zeuge ihn beruhigen musste. Der kam nun vor Gericht.

Vor der Sparkasse fällt plötzlich ein kräftiger Mann in kurzen Hosen und Badelatschen über eine junge Frau her und reißt sie zu Boden. Die Frau schreit und wehrt sich. Der Mann hält sie am Boden und nimmt sie zeitweilig in „den Schwitzkasten“, sodass sie kaum Luft holen kann. Wie eine Szene aus einem Film muss das auf die Passanten gewirkt haben, die an diesem Spätnachmittag dort unterwegs waren. Doch die filmreife Aktion war nicht gespielt. Ein Polizist in Zivil hatte an jenem Julitag 2013 eine zur Fahndung ausgeschriebene Frau erkannt, beobachtet und festgenommen. Die Frau wehrte sich nach Leibeskräften. Einige Leute haben versucht, die Situation zu entschärfen. Zu ihnen gehörte auch der 25-Jährige, der sich deshalb jetzt wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte vor Gericht verantworten musste.

Der Polizist behauptet, der junge Mann habe ihn von hinten an den Schultern gepackt und von der Frau wegziehen wollen. Als Zeuge vor Gericht schildert er, wie sich die Festnahme aus seiner Sicht damals abgespielt hat. Der junge Mann streitet das ab. Er habe den Polizisten nur beruhigen wollen und ihn nicht einmal berührt. „Die Frau konnte nicht mehr, die lag da unten und sah aus, als ob sie keine Luft mehr kriegt“, erzählt er der Richterin und dem Staatsanwalt. Wie es tatsächlich gewesen ist, will die Richterin mithilfe weiterer Zeugen herausfinden. Eine 26-jährige Frau, die damals dabei war, kann berichten, dass niemand den Polizisten behindert hat, auch der junge Mann habe nur deeskalierend gewirkt. Die Richterin glaubt ihr. Für den Polizeibeamten im Adrenalinrausch muss sich die beschwichtigende Hand auf der Schulter wie ein Angriff angefühlt haben.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde das Verfahren schließlich eingestellt.

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