Zu schwach um sich zu befreien:

Rentnerin 19 Stunden in Badewanne gefangen

Weil sie selbst keine Kraft mehr hatte, war eine 87-jährige Löcknitzerin einen Tag und eine Nacht lang in der Wanne gefangen. Dass sie befreit wurde, liegt vor allem an Menschen, die aufeinander achtgeben und sich umeinander sorgen.

Hildegard Willhagen (87) aus Löcknitz lag 19 Stunden in ihrer Badewanne gefangen.
NK-Montage: D. Focke/Fotos: D. Kleindienst; Archiv: V. Nick (Bad) Hildegard Willhagen (87) aus Löcknitz lag 19 Stunden in ihrer Badewanne gefangen.

Für ihre 87 Jahre macht Hildegard Willhagen einen erstaunlich rüstigen Eindruck. Noch dazu ist sie ein durch und durch positiver Mensch. Sogar über die Geschichte, die ihr vor einigen Wochen widerfahren ist, kann sie mittlerweile schmunzeln. Dabei hat Hildegard Willhagen großes Glück gehabt. Die Geschichte hätte auch anders ausgehen können, immerhin lag die Rentnerin unfreiwillig ganze 19 Stunden in ihrer Badewanne!

Die Rentnerin wohnt allein in ihrer Mietwohnung in Löcknitz. An einem Sonntag im Januar stieg sie gegen 16 Uhr in die Wanne, um ein Bad zu nehmen. Doch sie kam aus eigener Kraft nicht mehr aus der Wanne heraus. Selbst der Extragriff, der dort als Ausstiegshilfe befestigt ist, half nicht. Hildegard Willhagen hatte kein Handy griffbereit. Einen Notruf konnte sie in ihrer brenzligen Lage also nicht abgeben. Hildegard Willhagen war gefangen! Bis zum nächsten Tag lag sie in der Wanne – insgesamt ganze
19 Stunden. Geschlafen hat sie in dieser Nacht nicht. „Ich habe gefroren und konnte mich nicht bewegen. Ich war fix und alle“, sagt sie.

Die Erste, die ahnte, dass Hildegard Willhagen in Schwierigkeiten stecken könnte, war Fußpflegerin Ilona Drückler. Die Rentnerin hatte am Montagmorgen einen Termin bei ihr. Doch Hildegard Willhagen, sonst mehr als pünktlich, war nicht da. Wie der Zufall es wollte, hatte auch ihre Nachbarin Gisela Kiesow an diesem Tag einen Termin bei der Fußpflege. Ilona Drückler bat sie deshalb, bei Hildegard Willhagen einmal nachzuschauen.

Genau wie Hildegard Willhagens Sohn besitzt die Nachbarin einen Ersatzschlüssel für die Wohnung, der auch funktioniert, wenn drinnen noch der Schlüssel steckt.
Gisela Kiesow fand die Rentnerin in der Wanne, holte ihren Mann dazu und befreite sie. „Sie hat mein Leben gerettet“, sagt die Rentnerin – ein großer Satz, der wohl die ganze Freude dieses Augenblickes widerspiegelt.

Danach trank Hildegard Willhagen erst einmal „eine schöne Tasse heißen Tee und schlief den ganzen Tag. Und tags darauf auch noch“, sagt sie. Außerdem habe ihr ganz schön der Hintern wehgetan.

Dass es die Ersatzschlüssel überhaupt gibt, hat Hildegard Willhagen dem Schlüsseldienst Knedel zu verdanken. „Als mein Mann, der an Parkinson erkrankt war, noch lebte, ist er mir immer auf halber Treppe entgegengekommen, wenn ich vom Einkaufen wiederkam“, erzählt sie. Die Tür fiel dann häufiger ins Schloss und der Schlüsseldienst musste helfen. So oft, dass der ihr vor einigen Jahren dann die Ersatzschlüssel schenkte und empfahl, einen Schlüssel der Nachbarin und einen dem Sohn zu geben – für den Notfall. Inzwischen besitzt Hildegard Willhagen übrigens auch einen Badewannenlift.

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