Krisensitzung in Penkun :

Rotstift trifft sogar die Schulen

Penkun bezahlt seine Schulden durch die Neuaufnahme von Krediten – diesen Teufelskreis will die Stadt mit Hilfe einer Beraterin durchbrechen. Die drastischen Kürzungen lösen in der Stadt Proteste aus.

Wo nehmen wir nur das Geld her? Die Stadtvertreter Michael Weiß (von links) und Edmund Geiger sowie Sigrid Siebert, Leitende Verwaltungsbeamtin des Amtes Löcknitz-Penkun, und Kämmerin Karola Rambow sind ratlos.
R. Marten Wo nehmen wir nur das Geld her? Die Stadtvertreter Michael Weiß (von links) und Edmund Geiger sowie Sigrid Siebert, Leitende Verwaltungsbeamtin des Amtes Löcknitz-Penkun, und Kämmerin Karola Rambow sind ratlos.

Wo gibt es denn noch Stühle? Im Obergeschoss! Der Penkuner Sitzungssaal füllt sich wie zu Wendezeiten. Stadtpolitik ist plötzlich wieder interessant. Der Grund: In Penkuns Schulen, bei Feuerwehr und Vereinen kommen die Sparauflagen des Haushaltssicherungskonzeptes an. Hausmeister an den Schulen gibt es nicht mehr. Der  Schulsekretärin wurden die Stunden gekürzt. Die Feuerwehr meldete einen LO Robur ab, weil kein Geld für die Fahrzeugreparatur vorhanden ist. Auch der kommunale Zuschuss für die Orden der Mitgliederehrung bei der Feuerwehr entfällt. Sogar die Vereine sollen offenbaren, was sie besitzen.

Diese Situation trieb am Mittwoch Schulleiter und Mitglieder des Elternrates, Feuerwehrchef und Kameraden zur Sitzung der Stadtvertreter. Am Ende prallte ihr Protest an den harten Fakten ab: Penkuns Eigenkapital beträgt rund 3,5 Millionen Euro. Das ist aber kein Barvermögen, sondern Besitz an Gebäuden, Straßen, Plätzen. Drei Millionen Euro beträgt der Kassenkredit, um alle laufenden Geschäfte abwickeln zu können. Und für 2,7 Millionen Euro, investiert in über 20 Jahren, müssen Zinsen bezahlt werden.

Möglicherweise, wurde während der Sitzung erwogen, hat Penkun Fehler gemacht. „Aber wir haben uns das Geld nicht in die Taschen gesteckt“, sagt Bürgermeister Bernd Netzel. Dass weniger Einnahmen fließen, liegt auch an landespolitischen Entscheidungen. Dass Penkun sich stärker der Wirtschaft öffnen müsse, darauf spielten Stadtvertreter Eckhard Rothe und Ulrich Nikolaus an. Sie haben dabei die Windkraft im Visier. Bürgermeister Netzel meinte indes, dass es dann auch eine Einnahmegarantie für die Stadt geben muss.

Finanz-Beraterin Sybille Kempf unterstrich  indes: Die Stadt muss ihre Ausgaben kritisch betrachten. Dafür muss der gute Wille da sein. Wenn sich an der Lage nichts ändert, werde schon bald der Zwangsverwalter kommen.