Trebenow gedenkt des Ermordeten:

Sie beten für ihren erschlagenen Nachbarn

Wie kann das Dorf Trebenow den Einbruch von Hass und Brutalität in seinen bisher so beschaulichen Alltag verarbeiten? Bei einer Andacht für den ermordeten Karl-Heinz D. rückte die Gemeinde eng zusammen.

Den Weg nach Trebenow fanden auch Strasburgs Stadtpräsidentin, Gudrun Riedel und ihr Mann, Pfarrer i.R., Christhart Riedel
R. Marten Den Weg nach Trebenow fanden auch Strasburgs Stadtpräsidentin, Gudrun Riedel und ihr Mann, Pfarrer i.R., Christhart Riedel

Bei jedem Verbrechen gibt es Gerüchte und Spekulationen über mögliche Motive, in Frage kommende Verdächtige. Hier nicht. Niemand kann begreifen, warum Karl-Heinz D. so sterben musste. Karl-Heinz, der Kirchenälteste. Der Hobbyimker. Der Nachbar. Der Freund. So unbegreiflich ist das Verbrechen, so groß der Wunsch nach Aufklärung, dass dann am Wochenende plötzlich das Gerücht da ist. Zwei Leute wurden festgenommen, so heißt es im Dorf. Die Polizei bestätigt das nicht. Aber sie bestreitet es auf Nachfrage auch nicht.

"Unsere Seele ist erschrocken"

Trebenow versucht unterdessen, zu sich zu finden. Der Einladung zur Andacht in der Kirche folgen am Sonnabend etwa 50 Bürger. „Unsere Seele ist erschrocken. Wir müssen zur Besinnung kommen, denn der Schock ist so groß. Das alles müssen wir erst verstehen...“ Pfarrer Ulrich Kasparick erfasst mit eindringlichen Worten die innere Situation des Dorfes.

Massive Gewalteinwirkung

Noch am Sonntag vor einer Woche nahm der 62-jährige Karl-Heinz D. an einem Gemeindeausflug teil. Am Montag wechselte der Kirchenälteste den Aushang im Informationskasten der Kirche. Am Dienstag indes wird der Hobbyimker nicht mehr gesehen. Der frei laufende Hund, die offene Garagentür, das gelieferte, aber nicht hereingeholte Mittagessen fallen indes auf. Am Mittwochnachmittag dann die grausige Entdeckung durch Nachbarn. Im Schlafzimmer unter einer Decke liegt die Leiche von Karl-Heinz D. „Massive Gewalteinwirkung“, sagen die Ermittler.

"Es ist Notzeit in Trebenow"

Gewalt wurde mit diesem Verbrechen auch dem Gemeindeleben angetan. Ohnmacht, Sprachlosigkeit – Pfarrer Kasparick will nicht, dass seine Gemeinde davon dauerhaft gelähmt wird. „Wir sind hier zusammen, um zur Ruhe zu kommen, um uns sammeln zu können und um Orientierung zu finden“, sagt er während der Andacht. Die Kirche sei dafür der richtige Ort – schon immer seien Kirchen in Notzeiten der Ort gewesen, um Schutz zu suchen und um zu sich zu finden. „Und es ist Notzeit in Trebenow“, führt er an. Es folgen Augenblicke langer Ruhe. Dann werden Kerzen angezündet zum Gedenken an den getöteten Kirchenältesten. Und einige beten auch dafür, dass die Täter bald vor ihrem Richter landen.

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