Schüler und Lehrer uneins:

Soll man in der Schule fürs Leben lernen?

Wie nah dran am wirklichen Leben soll er denn nun sein, der Schulunterricht? Beim Tag der offenen Tür am Oscar-Picht-Gymnasium haben wir noch einmal nachgefragt: bei Lehrern, Eltern und Schülern.

Würde der Schule ein bisschen mehr Alltagsnähe gut tun? Auf jeden Fall, finden die beiden Schülerinnen Mareen (16, links) und Josephine (16).
Denny Kleindienst Würde der Schule ein bisschen mehr Alltagsnähe gut tun? Auf jeden Fall, finden die beiden Schülerinnen Mareen (16, links) und Josephine (16).

Es reicht derzeit schon aus, zu sagen: „Gedichtanalyse“. Dann weiß jeder Schüler Bescheid, den man am Pasewalker Oscar-Picht-Gymnasium fragt. Und man ist sofort drin im Thema dieser Tage: Eine 17-jährige Abiturientin aus Köln hatte eine Debatte losgetreten, indem sie im Internet beim Kurznachrichtendienst Twitter kundtat: Sie könne zwar eine Gedichtanalyse in vier Sprachen schreiben, habe aber keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen.

Die ein Jahr jüngere Josephine sieht das ganz genau so: „Wir haben schon so oft gesagt, dass wir zwar das Volumen der Sonne berechnen können, aber nicht wissen, welche Veträge wir besser nicht abschließen.“ Sie und Josephine finden es jedenfalls gut, dass es mal jemand gesagt hat. Die Ansage der Kölner Abiturienten sei derzeit das Schulhofgespräch.

Lehrer: Eltern bei Alltags-Themen in der Pflicht

Dirk Feist, 54 Jahre alt und Mathelehrer am Gymnasium, fragt die beiden daraufhin, wo denn die Abzüge vom Gehalt hingehen? Er bekommt die Antwort: „Krankenversicherung, Rentenversicherung.“ „Und woher wisst ihr das?“, fragt Feist: „Ihr habt doch noch nie gearbeitet.“ Worauf der Lehrer mit seiner Frage hinauswill, ist klar: Er will den Schülern vermitteln, dass der Unterricht im Grunde schon ziemlich praxisnah ist.

Feist ist aber dagegen, den kompletten Lebensalltag in den Unterricht zu holen. „Dann können wir auch das Fach Wandern einführen“, sagt er. Auch Physiklehrerin Mildrit Redlin sieht es ähnlich. Schüler „auf das tägliche Leben in ihrer Wohngegend vorzubereiten“, sei die Aufgabe der Eltern – und der Schüler selbst. Statt anzuklagen, sollten sie lieber nachfragen, sagt die Lehrerin. Viele seien einfach desinteressiert.

Die Lehrer am Gymnasium verweisen darauf, dass der Unterricht seine Grenzen habe. Und die sind bei den Themen Miete und Versicherung erreicht. Auch manche Schüler sehen das so. Ein Extrafach – und Extrastunden – zu dem Thema, will jedenfalls niemand. Und Beatrice Duhse, die mit ihrem Sohn den Tag der offenen Tür besucht, sagt: „Lernen muss man ein Leben lang.“

Weiterführende Links

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung