Rekordverdächtig:

Strasburg ist die Hauptstadt der Zwillinge

Was ist los in Strasburg? Innerhalb von zwölf Monaten drei Zwillingsgeburten – das kann nicht jede Kleinstadt aufweisen! Will die Natur mit ein bisschen mehr Effektivität den demografischen Wandel aufhalten? Vielleicht! Das jüngste Strasburger Zwillingspärchen, im Juni geboren, sind Anna und Timo Schultz.

Wenn es in einer Familie schon Zwillingsgeburten gab, dann ist die "Gefahr" groß, selbst von einer Zwillingsschwangerschaft betroffen zu werden. Im Sommer erging es so Gesine Schultz, hier mit Ehemann Marko. Der Nachwuchs kam im Doppelpack. Links: Töchterchen Melina.
R. Marten Wenn es in einer Familie schon Zwillingsgeburten gab, dann ist die "Gefahr" groß, selbst von einer Zwillingsschwangerschaft betroffen zu werden.

Gesine und Marko Schultz sehen nicht so aus, als würden sie noch immer unter Schock stehen. Blicken beide hinüber in die Babykörbchen, dann funkeln ihre Augen. Anna, in einem der Körbchen liegend, hat die Augen geschlossen und hält ein Nickerchen. Timo, im Nachbarkörbchen liegend, verfolgt jede Bewegung im Raum und lauscht den Stimmen. Beide sind viereinhalb Monate alt. Beide sind das jüngste Strasburger Zwillingspärchen. Innerhalb von nur zwölf Monaten kamen in der Stadt gleich drei Zwillingspärchen zur Welt. Neben Anna und Timo auch Jayden und Lian sowie Lennart und Lennox. Am
14. November werden sie zusammen mit allen Neugeborenen offiziell in der Stadt begrüßt.

Noch winzig, winzig klein brachten vor mehr als einem Jahr die Ungeborenen die Eltern richtig ins Schwitzen. Bei einer der ersten Schwangerschaftsuntersuchungen hieß es: Frau Schultz, es sieht nicht nach Zwillingen, es sieht nach Drillingen aus! „Diese Nachricht war ein Schock für uns“, sagt Marko Schultz. Denn Melina (4) sollte nur einen Bruder oder eine Schwester bekommen. Jetzt meldeten sich gleich Geschwister an, möglicherweise drei... Bei der Feinsonographie am Friedrich-Bonhoeffer-Klinikum in Neubrandenburg bestätigte sich diese Prognose dann jedoch nicht. Aber dass es bald zwei Kinder mehr sein würden, daran mussten sich beide trotzdem gewöhnen.

Die Kleinen kamen etwas früher zur Welt

Die Schwangerschaft verlief dann, so erzählt Gesine Schultz, mit allen Wehwehchen, die neun anstrengende Monate nun einmal mit sich bringen. Übelkeit, Heißhunger, Schwindel... Nein, der werdenden Mutter blieb nichts erspart. Den Kleinen wurde kurz vor dem offiziellen Geburtstermin der Platz zu knapp, sie kamen etwas früher zur Welt und verbrachten noch einige Tage im Brutkasten. In der Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung, vierte Etage, wurde während dieser Zeit für die Heimkehr der Zwillinge alles hergerichtet. Einen Antrag auf eine größere Wohnung hatte die Familie bereits gestellt. „Wenn alles gut geht, werden wir im Februar nur einige Haustüren weiter im Erdgeschoss eine Vier-Zimmer-Wohnung beziehen“, freut sich vor allem die Mutter. Ist ihr Mann nämlich arbeiten und muss sie Besorgungen erledigen, dann heißt es Treppen steigen – mit  den  nun schon etliche Kilogramm schweren Zwillingen rechts und links in der Hand.

Gegen 18 Uhr werden die beiden munter

Die Zwillinge bestimmen derzeit insgesamt den Tagesablauf. Sie schlafen bis morgens um acht Uhr durch. Dann gibt es die Flasche. Wieder ruhen sie bis zur nächsten Mahlzeit. Abends, so gegen 18 Uhr, sind die Zwillinge so munter, dass sie gut zwei Stunden lang beschäftigt werden wollen. Wenn es um das Füttern, Baden oder Wickeln geht, dann hat Gesine Schultz einen echten Fachmann an der Seite: Marko Schultz ist gelernter Krankenpfleger, er ist also eine Pflegefachkraft. Allerdings bringt es seine Arbeit mit sich, dass er auch Spät- und Nachtschichten absichert. „Ich freue mich immer, wenn Oma Rita oder Tante Heike einspringen und helfen. Das entlastet doch ungemein“, sagt Gesine Schultz. Fakt sei auch, dass die Familie finanziell nun völlig anders kalkulieren muss. Auf einen der Zwillinge verzichten, das wollte die Familie heute auch nicht mehr. Denn es hieß schon früher so: Wo einer groß wird, da werden auch zwei groß!