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Tierschützer stoppen Schießerei

Das geht für Tierschützer gar nicht: Jagd auf Gänse rund um ein Naturschutzgebiet! Weil übereifrige Waidmänner dies aber getan haben, hat sich das „Komitee gegen den Vogelmord“ die Polizei zu Hilfe geholt und die Jäger am Galenbecker See verfolgt.

Tierschützer haben die Polizei gerufen, um die Jagd auf Wildgänse am Galenbecker See zu stoppen.
Privat Tierschützer haben die Polizei gerufen, um die Jagd auf Wildgänse am Galenbecker See zu stoppen.

Bei der Jagd auf arktische Wildgänse rund um das Naturschutzgebiet Galenbecker See sollen Jäger schon wieder gegen Schutzvorschriften verstoßen haben. Bei den Jagden seien zahlreiche Vögel beim Abflug von ihrem Schlafgewässer erlegt worden, sagt der Sprecher des Komitees gegen den Vogelmord, Axel Hirschfeld. Mitglieder des Vereins hätten zwei Gruppen aus vier und sechs Jägern beobachtet, die die abfliegenden Gänse direkt an der Schutzgebietsgrenze unter Beschuss nahmen.

„Innerhalb einer halben Stunde fielen mehr als 30 Schüsse“

Durch die Schießerei seien zudem Tausende streng geschützter Kraniche, Singschwäne und anderer Wasservögel massiv gestört und aus dem Gebiet vertrieben worden. „Innerhalb einer halben Stunde fielen mehr als 30 Schüsse. Die Jäger schossen direkt in das Reservat hinein und hatten zudem keinen geeigneten Jagdhund zum Bergen der geschossenen Tiere dabei“, berichtet der Sprecher. Die vom Komitee zur Hilfe gerufene Polizei spürte sechs Jäger im Gelände auf und stellte deren Personalien fest. Die Vogelschützer erstatteten Anzeige wegen des Verstoßes gegen das Landesjagdgesetz.

Jäger hatten keine Genehmigung

Einen Tag später haben die Vogelschützer am Südufer des Sees nach eigenen Worten beobachtet, wie zwei Jäger mehrere Schüsse auf einen gemischten Schwarm aus Gänsen und Kranichen abgaben. Auch hier hätten die Jäger von der Grenze direkt ins Schutzgebiet geschossen, damit de facto innerhalb des Gebietes gejagt. Außerdem hatten sie entgegen der Vorschrift keinen Jagdhund zum Bergen der Tiere dabei. „Bei den Jägern handelt es sich überwiegend um Personen aus Mecklenburg-Vorpommern“, sagt Axel Hirschfeld. Seinen Angaben zufolge muss für die Jagd in diesem Naturschutzgebiet eine Genehmigung vorliegen, was aber nicht der Fall gewesen sei.

Die Polizei bestätigte den Einsatz und die Aufnahme der Personalien. Die Jäger hätten aber bestritten, gegen Vorschriften verstoßen zu haben. Angesichts der „massiven Beeinträchtigung des Gebietes“ fordert das Komitee die Landesregierung auf, die Einhaltung der Schutzvorschriften am Galenbecker See strenger zu überwachen und die Gänsejagd langfristig ganz zu verbieten.

Das Komitee kündigte an, bis zum Ende der Jagdsaison weitere Kontrollen der Gänsejagd in Mecklenburg Vorpommern durchzuführen. Beim Galenbecker See handelt es sich um ein Europäisches Vogelschutzgebiet, das internationale Bedeutung als Rast- und Überwinterungsgebiet für bedrohte Zugvogelarten hat. Zurzeit rasten hier mehrere Zehntausend Kraniche, Singschwäne, Enten und arktische Wildgänse, für die strenge Schutzvorschriften gelten.