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Verrückt: 72,7 Kilometer durch den Wald

VonThomas KrauseFür einige Ausdauersportler aus der Region beginnt morgen in der Frühe ein großes Abenteuer. Sie starten beim legendären ...

Tausende Menschen werden morgen wieder am Rennsteig laufen.  FOTO: dpa

VonThomas Krause

Für einige Ausdauersportler aus der Region beginnt morgen in der Frühe ein großes Abenteuer. Sie starten beim legendären Rennsteiglauf.

Pasewalk.Wenn Michael
Maciej morgen früh gegen
3 Uhr in den Bus steigt, der die Läufer zum Start bringt, sich einen Platz gesucht hat und in die dunkle Nacht schaut, wird er sich vielleicht fragen, wieso er sich das Ganze wieder antut.
Der 53-jährige Pasewalker will morgen zum dritten Mal beim Rennsteiglauf den Supermarathon meistern: 72,7 Kilometer von Eisenach nach Schmiedefeld. Die Frage, warum und wieso diese Quälerei über 72,7 Kilometer, kann er nicht so richtig beantworten. Maciej, der in Pasewalk lebt und für den SV scn energy Torgelow läuft, lacht: „Den Marathon am Rennsteig bin ich schon zig mal gelaufen. Dann wollte ich einfach mal was anderes probieren.“ Bei seiner Supermarathon-Premiere erreichte er nach 7:49 Stunden das Ziel, ein Jahr später war er eine halbe Stunde schneller. Morgen peilt Michael Maciej eine Zeit um die 7.30 Stunden an und kommt dabei zugleich auf die Qualen zurück.
„Der Supermarathon ist im Grunde keine Quälerei, weil du den ganz anders läufst. Viel langsamer, ja, gemütlich“, meint er. Man habe sogar Zeit, sich während des Rennens mit anderen Läufern zu unterhalten oder die tolle Landschaft des Thüringer Waldes zu genießen. Die Unterstützung während Europas größtem Crosslauf sei
genial. „Alle 5 Kilometer gibt es Verpflegungsstellen, wo es unter anderem den berühmten Haferschleim gibt. Zum Ende des Rennens wird auch mal was Deftiges wie Käse- oder Schinkenecken gereicht“, erzählt Michael Maciej. Das Wichtigste während der vielen Stunden auf der Strecke sei, dass man gleichmäßig läuft. „Du musst deinen Rhythmus halten, darfst die Berge nicht runter rennen, weil es dir sonst die Oberschenkel kaputt macht“, erzählt der Pasewalker Ausdauersportler und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: „Bei Kilometer 50 weißt du, dass es fast geschafft ist.“

Der Zieleinlauf ist
die große Belohnung
Die Belohnung wartet gut
23 Kilometer weiter in Schmiedefeld. „Der Zieleinlauf ist fantastisch. Du läufst von oben in eine Art Stadion hinein, wo viele Zuschauer stehen und dir zu jubeln“, schwärmt Maciej. Er wird übrigens nicht der einzige Pasewalker sein, der die 72,7 Kilometer angehen wird: Michael Riewe, Arbeits- und Vereinskollege, wird morgen um 6 Uhr ebenfalls am Start stehen. Riewe läuft den Supermarathon zum zweiten Mal. „Die ersten 20 Kilometer werden wir wohl gemeinsam angehen, dann läuft jeder für sich.“
Der Start morgen beim
41. Rennsteiglauf wird für Michael Maciej, der als Lok-Führer bei der Deutschen Bahn arbeitet, aber aus einem anderen Grund ein ganz besonderer sein. Sein Sohn Klaus möchte im Thüringer Wald seinen ersten Marathon finishen. „Klaus war zwar ein wenig krank, aber wenn er den Marathon ruhig angeht, packt er das schon“, sagt Michael Maciej. Er hat seinen Sohn vor ein paar Jahren für den Ausdauersport begeistern können. Dass Klaus Maciej jetzt den ersten langen Kanten läuft, macht ihn stolz. Dass die beiden eines Tages gemeinsam den Supermarathon meistern wollen, würde nicht verwundern.