Verband sieht Entscheidungen der Agrarminister mit Sorge:

Warum müssen gerade unsere Landwirte bluten?

Größeren landwirtschaftlichen Betrieben in MV geht es ans Portemonnaie. Profitieren von der Umverteilung der Gelder im Agrarbereich sollen kleinere und Öko-Landbau-Betriebe. Aber gerade die gibt es in der Uecker-Randow-Region kaum.

Die Landwirtschaftsbetriebe in der Region müssen sich auf Einschnitte einstellen. So werden unter anderem die Ausgleichszahlungen gekürzt.
Fred Lucius Die Landwirtschaftsbetriebe in der Region müssen sich auf Einschnitte einstellen. So werden unter anderem die Ausgleichszahlungen gekürzt.

Petra Döhler will nicht schwarzmalen. In einem ist sich die Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Uecker-Randow aber sicher: die Beschlüsse der Agrarminister der Länder als Reaktion auf gekürzte finanzielle Hilfen aus Brüssel werden große Einschnitte für Unternehmen in der Region haben. „Vor allem für die Betriebe mit schlechten Böden“, sagt die Chefin der Alwi Agrar GmbH in Altwigshagen. Die Umschichtung der EU-Gelder begünstige vor allem kleinere Unternehmen. Und die gibt es hauptsächlich in Süddeutschland. „Für mich gibt es keine kleinen oder großen Betriebe. Für mich ist jeder Hektar gleich groß. Als Verband setzen wir uns für die gleiche Förderung für jeden Hektar ein, weil auf jedem Hektar Menschen arbeiten“, sagt Petra Döhler.

"Ich halte das für gefährlich für unser Gebiet mit seinen armen Böden"

Zwar werde es keine – wie ursprünglich vorgesehen – Obergrenze beim Preisausgleich für die Landwirte geben, jedoch erhielten die hiesigen Bauern deutlich weniger. Gekürzt würden nämlich nicht nur die Ausgleichzahlungen (Direktzahlungen), sondern auch bei den Geldern für Betriebe in benachteiligten Gebieten und beim Agrarumweltprogramm wird der Rotstift angesetzt. „Künftig besteht die Gefahr, dass der ,fette Acker‘ im Klützer Winkel zum benachteiligten Gebiet wird. Und die leichten Böden in der Uecker-Randow-Region könnten herausfallen. Das ist zwar nicht beschlossen. Ich halte das aber für gefährlich, gerade für unser Gebiet mit seinen armen Böden. Damit könnte die Förderkulisse in Mecklenburg-Vorpommern völlig auf den Kopf gestellt werden“, moniert die Verbandschefin.

"Jeder Euro, der aus den Betrieben gezogen wird, schwächt diese"

Der Verband befürworte die wissenschaftlich anerkannten und bewährten Kriterien für die Ausweisung der benachteiligten Gebiete und ihre weitere Anwendung in Deutschland. Die Direktzahlungen aus Brüssel, so Petra Döhler, würden je nach Betrieb zwischen 30 und 50 Prozent der Einnahmen ausmachen. Bei den Zuwendungen für die Landwirte seien zudem die Tierproduzenten als die wirksameren Arbeitgeber nicht berücksichtigt und begünstigt worden. Stattdessen sollen Gelder aus Brüssel für eine stärkere Förderung der ländlichen Entwicklung, für den ökologischen Landbau und die Dorferneuerung eingesetzt werden. „Aus unserer Sicht stärken stabile landwirtschaftliche Unternehmen die ländliche Entwicklung. Jeder Euro, der aus den Betrieben gezogen wird, schwächt diese. Durch einen neuen Radweg kommt kein Geld bei den Arbeitnehmern vor Ort an. Wir brauchen Landwirtschaftsunternehmen, die in der Lage sind, angemessene Löhne zu zahlen und Umsätze in der lokalen Wirtschaft tätigen“, sagt Petra Döhler.

"Spar-Möglichkeiten ausgereizt"

Die Bauern sind derzeit dabei, die Auswirkungen der Mittel-Kürzungen auf ihre Unternehmen aufzulisten. Die Möglichkeiten, in den Betrieben einzusparen, seien aber ziemlich ausgereizt. „Es gibt kaum noch Schrauben, an denen die Landwirte drehen können“, betont die Verbandschefin. Möglich sei beispielsweise, dass Landwirte noch strenger die Winterarbeitslosigkeit handhaben. Und so Mitarbeiter zeitweilig entlassen, die vorher auch aus sozialen Aspekten ganzjährige beschäftigt waren. „Trotzdem gehe ich davon aus, dass unsere Landwirte sich den neuen Gegebenheiten stellen und diese auch meistern werden.“

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