Wegen der Ordnung:

Pasewalk siedelt Natursteinfirma um

Jetzt ist es amtlich: Nicht nur die einstige Großbäckerei in Pasewalk wird abgerissen, sondern auch die daneben stehende Natursteinfirma. Firmeninhaber Winfried Lemke zieht mit 62 Jahren noch einmal um.

Im jetzigen Firmensitz in der Friedenstraße befand sich einst die Rinderschlachtung des Schlacht- und Verarbeitungsbetriebes. Auch die soll jetzt abgerissen werden.
Angela Stegemann Im jetzigen Firmensitz in der Friedenstraße befand sich einst die Rinderschlachtung des Schlacht- und Verarbeitungsbetriebes. Auch die soll jetzt abgerissen werden.

Auf dem Dach werkeln schon die Männer der Abrissfirma. Winfried Lemke schließt die Bürotür auf. Wohl nicht mehr lange. Der Pasewalker gibt zu, dass er im Stress ist. In ein paar Jahren geht er in Rente. Trotzdem zieht er noch um. Die Stadt war an ihn herangetreten. Da nebenan die Industriebrache der Gropa abgerissen wird, fasste man auch gleich die ehemalige Rinderschlachtung daneben, also den Sitz der Natursteinfirma, mit ins Auge. Nur dass dieses Gebäude Winfried Lemke gehört. Aber die Stadt will Ordnung in das Gebiet bekommen und in ein paar Jahren nicht noch einmal mit dem Abrissbagger anrücken. Also bot sie Winfried Lemke an, ihm das Gebäude abzukaufen und beim Umzug zu helfen. Neuer Betriebssitz wird eine Halle im Rothenburger Weg.

„Zuerst wollte ich nicht“, gibt Winfried Lemke zu. Doch in diesem Jahr brannte es in der Firma. Also stand der Unternehmer vor der Wahl, seinen alten Sitz teilweise zu sanieren oder aber umzuziehen. Schließlich sagte er zu. Weil er auch ein Herz für die Stadt hat. In diesen Tagen ist die Firma außerdem 20 Jahre alt, aber gefeiert wird erst Anfang nächsten Jahres.

Der Mann ist ohnehin ein Stehaufmännchen. Eigentlich kommt er aus der Anklamer Gegend, ist Meliorations-Ingenieur. Da ging es irgendwie beruflich nicht mehr weiter. Er wurde außerdem schwer krank, lag ein Jahr in der Klinik – danach als Rentner entlassen. Doch mit der Gesundheit ging es wieder bergauf. Er war drei Jahre zuhause. „Damit wollte ich mich aber nicht abfinden“, erzählt Winfried Lemke. Der Zufall half, dass es weiterging. Für sein Haus brauchte er eine Heizung. Er stieß auf eine österreichische Firma, die elektrische Marmorheizungen verkauft. Das war zu Zeiten, als Strompreise noch keine Rolle spielten. Die Firma fragte bei Winfried Lemke an, ob er nicht Lust habe, diese zu verkaufen. Es lief. Doch dann fragten die Kunden, ob er nicht auch gleich Marmor-Fensterbänke liefern kann. Sein Neffe, der eine Baufirma in Anklam hatte, berichtete, dass das Kurhotel in Heringsdorf eine Firma sucht, die die Fahrstühle mit Marmor verkleidet. So gründete Winfried Lemke am15. November 1993 seine eigene Firma. Der Meliorations-Ingenieur  suchte sich Mitarbeiter. Meist Maurer, die sich das Be- und Verarbeiten von Naturstein aneigneten. „Ich habe so manche Nacht nicht geschlafen und bis 23 Uhr gearbeitet“, erzählt Winfried Lemke. Sein erster Betriebssitz waren Garagen der Molkerei. 1997 bot sich die Chance, in den neu entstehenden Gewerbepark in die Friedenstraße umzuziehen. Die Liste der Referenzobjekte der Firma ist lang. Sie reicht von der saudi-arabischen Botschaft in Berlin bis hin zu Hotels auf den Inseln Usedom und Sylt, dem Wohnpark Hohe Düne.

Winfried Lemke ist schon ein bisschen stolz, es als Seiteneinsteiger zu etwas gebracht zu haben. Jetzt beschäftigt er sechs Leute. Die arbeiten derzeit fast ausschließlich in Hamburg. In drei Jahren in Rente gehen? Lemke weiß das nicht so genau. „Ich habe ja auch eine Verantwortung für meine Leute. Und meine Frau muss auch noch ein paar Jahre arbeiten“, sagt er.