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Wenn der Weg zum Notfall tödlich endet

Bei einem schweren Verkehrsunfall kam eine 48-Jährige ums Leben. Der Polizist, der einen Zusammenstoß nicht mehr verhindern konnte, steht unter Schock. Ihn erwarten nun mehrere Verfahren.

Das schwer beschädigte Auto, in dem eine Frau ums Leben kam.
Christopher Niemman Das schwer beschädigte Auto, in dem eine Frau ums Leben kam.

War es beruflicher Stress, ein Augenblick der Unaufmerksamkeit oder eine Fehleinschätzung des Polizisten und scheinbaren Unfallverursachers? Ermittler der Polizei und  DEKRA gehen diesen Fragen nach. Sie wollen die Ursache des tragischen Verkehrsunfalls am Abzweig Krugsdorf, bei dem eine 48-Jährige Frau ums Leben kam, finden.

An dem Unfallabend, so berichtete ein Zeuge und Unfallhelfer, bestand auf der Bundesstraße eine große Verkehrsdichte. „Nach dem Crash waren wir die ersten Helfer am Polizeifahrzeug und kurz darauf an dem privaten Auto. Wir zogen dort den Fahrer aus dem Wagen. Die Beifahrerin sahen wir nicht, denn sie war nicht im Auto. Schockierend für mich war nicht nur der Unfall, mich schockierte auch die Reaktion vieler anderer Autofahrer: Sie umfuhren einfach die Unfallwagen, fuhren über Glas und Trümmerteile hinweg. Wir Helfer mussten streng darauf achten, nicht selbst noch Unfallopfer zu werden“, berichtet er. Jeder könne selbst einmal Opfer werden, da sei es doch „wichtig, einen Moment innezuhalten und zu helfen“, meint der Mann.

Dass die Rettungskräfte außergewöhnlich schnell am Unfallort waren, hing mit der Meldung eines Toten auf dem Krugsdorfer Campingplatz am See zusammen. Dort war ein Mann aus Torgelow unglücklich gestürzt. Ein Arzt hatte einen nicht natürlichen Tod gemeldet, weshalb zwei Beamte des Kriminaldauerdienstes auf dem Weg in Richtung Krugsdorf waren, um die Spuren aufzunehmen. Aber sie sollten dort nicht ankommen.

Verdacht der fahrlässigen Tötung

„Der Fahrer des Dienstfahrzeuges der Polizei erlitt einen Schock, er ist nicht dienstfähig“, teilte der Sprecher der Polizeiinspektion Anklam, Axel Falkenberg, mit.

Im Raum steht allerdings der Verdacht der fahrlässigen Tötung und die Frage, wie es in dem Fall weiter geht. „Das wird arbeits- beziehungsweise beamtenrechtliche Folgen haben", erklärt der Sprecher. "Wenn von einer schuldhaften Verhaltensweise eines Beamten ausgegangen oder wie in dem konkreten Fall vermutet wird, dann werden gegen den Beamten disziplinarische Vorermittlungen eingeleitet, die aber nicht die eigene Dienststelle führt.“

Es sei davon auszugehen, dass es ein Strafverfahren geben wird. „Das Disziplinarverfahren wird bis zum Abschluss dieses Strafverfahrens ausgesetzt“, so Falkenberg. Die Ermittlungen in diesem Fall hat das Kriminalkommissariat in Neubrandenburg übernommen.

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