Grausige Funde:

Wer mordete einst an der Uecker in Pasewalk?

Menschenschädel, Lanzen aus Bronze und Eisen - alles entdeckt bei der Uecker-Sanierung in Pasewalk. Die Knochen sind rund 1850 Jahre alt – und weisen Verletzungen auf. Was mag bei uns bloß los gewesen sein in der Antike?

Zu den Funden an der Uecker gehören zwei komplett erhaltene Schädel und mehrere Arm- und Beinknochen. Die Schädel weisen Hieb-Verletzungen auf.
ZVG Zu den Funden an der Uecker gehören zwei komplett erhaltene Schädel und mehrere Arm- und Beinknochen. Die Schädel weisen Hieb-Verletzungen auf.

Gab es hier vor 1850 Jahren einen Krieg? Oder Morde aus rituellen Gründen? Mario Hollnecker will beides nicht ausschließen. „Es kann alles sein. Wir werden es auch so bald nicht wissen“, sagt der Grabungsassistent, der die Sanierungsarbeiten an der Uecker aus Sicht der Bodendenkmalpflege begleitet.

Fakt ist: Diese Arbeiten förderten etliche Knochen aus grauer Vorzeit zutage. So stieß der Papendorfer Jens Krüger schon vor Monaten während einer Tour entlang dem Fluss auf Schädel und etliche Arm- und Beinknochen. Um Trophäenjäger abzuhalten, wurden die Funde bislang geheim gehalten. „Es handelt sich um mindestens sechs Menschen“, sagt Hollnecker. Es könnten sogar noch mehr sein. Verteilt waren die Knochen über eine Strecke von etwa 900 Metern. Ein Schädel weist deutliche Hiebverletzungen auf. Eine solche ist auch an einer gefundenen Arm-Elle zu finden.

Die genauen Umstände des Todes bleiben vorerst ein Rätsel

„Die Knochen und Schädel sind sehr gut erhalten. Sie lagen unter der Wasserlinie und waren luftdicht abgeschlossen. Vielleicht haben die Leute versucht, an dieser Stelle über die Uecker zu fliehen und sind hineingestürzt. Oder sie wurden hineingeworfen“, sagt der Experte.

Die genauen Umstände des Todes bleiben vorerst ein Rätsel. Auch, weil die Knochen und Schädel nicht ausgegraben, sondern erst im Aushub gefunden wurden. Daher ist nicht klar, wie genau die Knochen nebeneinander lagen. Fakt ist allerdings: Die Schädel stammen aus der römischen Kaiserzeit um 160 Jahre nach Christus. Das konnte über eine Analyse der Zähne bestimmt werden, das Verfahren ist auf rund 40 Jahre genau, sagen die Forscher.

2700 Jahre altes Rasiermesser

Auch Hollnecker fand allerlei „Bodenschätze“: So stieß er auf eine bronzene und eiserne Lanzenspitze, auf Äxte, Messer und ein Bronze-Rassiermesser. Letzteres ist rund 2700 Jahre alt. „Auch diese Sachen sind sehr gut erhalten. Mit den Knochen steht das Rasiermesser aber nicht im Zusammenhang, da es einige hundert Jahre älter ist“, sagt Hollnecker.

Außerdem kamen ein Einbaum  aus dem Jahr 831 und Scherben aus der Slawenzeit zu Tage. Insgesamt gab es neun Fundplätze auf einer gut zwei Kilometer langen Strecke. „Das war  vollkommen unerwartet. Die Funde lassen ein Wissenschaftler-Herz schon höher schlagen“, sagt Jens-Peter Schmidt vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege in Schwerin. Noch dauere die Auswertung an. Später könnten die Fundstücke dann aber auch nach Pasewalk verliehen werden – eine Ausstellung wäre also möglich.

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