Frust über rasende Zuckerrüben-Laster:

Wer stoppt diesen Verkehrswahnsinn?

Die Bellinger, die Sandförder und Jatznicker Einwohner müssen wieder Nerven zeigen: Tag und Nacht rollen auf der Bundesstraße 109 die Zuckerrübentransporte in Richtung Anklam. Nachts ist die Straße eine Rennpiste, denn kaum jemand hält sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung ab 22 Uhr.

Am Tag 50 km/h, nachts 30 km/h - so schnell darf man in Belling, Jatznick und Sandförde fahren. Gerade nachts halten sich die Fahrer der Zuckerrüben-Laster kaum an diese Geschwindigkeit. Die Anwohner sind darüber mächtig verärgert und erwarten mehr Kontrollen.
             
R. Marten Am Tag 50 km/h, nachts 30 km/h - so schnell darf man in Belling, Jatznick und Sandförde fahren. Gerade nachts halten sich die Fahrer der Zuckerrüben-Laster kaum an diese Geschwindigkeit. Die Anwohner sind darüber mächtig verärgert und erwarten mehr Kontrollen.  

Am liebsten würde Horst S. jeden Tag ab 22 Uhr kleine Stahlsterne auf der B 109 in Belling, Sandförde und Jatznick legen. Jeden Tag nur einige, sagt er. "Wer zwei oder dreimal Panne hat, der schleicht nur noch durch dieses Dörfer", sagt er. Der Mann ist mächtig sauer auf die Zuckerrüben-Transporter, echte Schwerlastzüge, die in der Nacht nur so durch die Orte donnern. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, denn ab 22 Uhr dürfen Fahrzeuge, die 7,5 Tonnen und mehr wiegen, nur 30 km/h fahren. Bis morgens um sechs Uhr. Weil nachts jedoch die Bundesstraße weitgehend frei ist, rasen die Laster.

Horst S. kann inzwischen fast alle Fuhrunternehmen namentlich nennen, deren Fahrer sich überhaupt nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten. Keine Ausnahme bilden die Fahrzeuge aus dem Nachbarland, die in Deutschland Transporte übernommen haben. "Aus meiner Sicht könnte Ruhe in den Verkehr gebracht werden, wenn die Fahrzeugführer auch nachts damit rechnen müssen, für zu schnelles Fahren  bestraft zu werden. Aber dann haben die Beamten ja Feierabend!", schimpft der Mann. Darüber hinaus wisse er, dass die polnischen Fahrer derzeit so etwas wie einen Freibrief haben: "Sie werden weder geblitzt noch abkassiert", behauptet er.

Letzteres bestätigt Peter Weirauch, Amtsleiter des Straßenverkehrsamtes der Kreisverwaltung, aber nicht: "Ein Laser oder ein Blitzgerät unterscheidet doch nicht zwischen den Nationalitäten! Wer zu schnell fährt, der wird auch erfasst", sagt er. Wenn es um das Kassieren geht, dann gibt es allerdings wirklich ein Problem, das derzeit auf europäischer Ebene gelöst wird. "Als Kreisverwaltung dürfen wir keine Fahrzeuge anhalten; das darf nur die Polizei", erklärt Weirauch. Über den Fahrzeughalter könnte man an den Fahrer, der rast, herankommen. "Aber weder bei uns in Deutschland noch in Polen gibt es die so genannte Halterhaftung. Also haben wir auch da keine Chance. Dieses Problem muss und wird auf europäischer Ebene gelöst werden." Eine Möglichkeit wäre ein Rechtshilfeabkommen, wie es mit anderen EU-Staaten schon besteht.

Wenn es generell um Verkehrskontrollen geht, dann setzt das Straßenverkehrsamt des Landkreises auf Prioritäten - die Dörfer an der B 109 stehen da eher nicht auf der Liste. "Die Geschwindigkeits-Messgeräte werden eingesetzt, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen - nicht, um den Verkehrslärm zu reduzieren. Sie stehen in Abstimmung mit der Polizei an Unfallschwerpunkten, darunter an Alleen und im Bereich von Schulen", sagt Weirauch. Auch in den genannten Orten wird kontrolliert. Aber nicht mit Vorrang.

Auch Ortrun Schwarz, Sprecherin der Polizeiinspektion Anklam bestätigte, dass vor allem die Unfallschwerpunkte im Blick der Polizei sind. Wenn es um ausländische Fahrer geht, dann hat die Polizei den Vorteil, die Autos anhalten zu dürfen. Wer beim zu schnellen Fahren ertappt wird, der muss auch bezahlen. Kassiert wird eine Sicherheitsleistung in Höhe des fälligen Bußgeldes.

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