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Werden die Tagesmuttis ausgebremst?

Werden in Löcknitz Kinder von Tagesmuttis abgeworben, um die Kita voll zu bekommen? Einige Eltern sind verunsichert.

Die neue Löcknitzer Kita wurde im August 2011 übergeben. Hier werden derzeit 160 Jungen und Mädchen betreut. Damit ist das Limit erreicht.
Fred Lucius Die neue Löcknitzer Kita wurde im August 2011 übergeben. Hier werden derzeit 160 Jungen und Mädchen betreut. Damit ist das Limit erreicht.

Sabine K. (Name geändert) ist sauer. Ziemlich sauer sogar. Der Grund für ihre Verärgerung: Anrufe des Löcknitzer Kita-Leiters Olaf Lejeune bei Eltern und die Nachfrage, ob das Kind schon zum jetzigen Zeitpunkt von der Tagesmutti in die Kita wechseln will. „Dabei ist es unwichtig, ob ein Kind wie unser schon drei Jahre alt ist oder nicht. Wir haben aber eine Vereinbarung mit der Tagesmutti, dass das Kind bis zum dritten Geburtstag dort betreut wird“, ärgert sich die junge Frau.

„So werden die betroffenen Eltern eingeschüchtert“

Ihr sei schließlich mitgeteilt worden, dass der für Anfang 2014 gewünschte Platz in der kommunalen Kita nicht zur Verfügung steht. Vormerken könne man den Platz für August 2014. „So werden die betroffenen Eltern eingeschüchtert. Sie stehen unter Druck und fragen sich, ob sie ihr Kind noch bei der Tagesmutti lassen oder sofort in den Kindergarten geben“, meint Sabine K. Dieses Vorgehen habe für sie den Anschein, als wolle die Kita-Leitung und das Amt Löcknitz-Penkun die Tagesmuttis ausbremsen. Früher sei das Amt auf die Tagesmuttis angewiesen gewesen, weil es in der Kita zu wenig Plätze für Kleinkinder gab. Das hat sich mit der neuen Einrichtung, in der es über 20 Plätze gibt, geändert.

„Ich finde es nicht schön, wenn die Eltern angerufen werden, obwohl sie noch eine Vereinbarung mit uns haben“, sagt Tagesmutti Renate W. (Name geändert). Auch sie müsse wirtschaftlich denken. Bei einem Kind weniger fehle schon ein Fünftel der Einnahmen.

Ohne Kita-Platz kann Kind länger bei Tagesmutti bleiben

Kita-Chef Olaf Lejeune macht keinen Hehl daraus, die Eltern angerufen zu haben. „In der Sommerpause, zum 1. August und 1. September, konnten wir wieder Kinder aufnehmen, weil die älteren Jungen und Mädchen in die Schule wechselten. Wir mussten aber auch 25 Eltern absagen. Die Kita ist bis zum Limit belegt. Ich muss kein Kind abwerben und herzerren. Ein paar Plätze mehr, das wäre schön. Wir haben sie aber nicht." Gleichwohl sei es nicht möglich, einen Platz über Monate frei zu halten, bis ein bestimmtes Kind drei Jahre alt wird. Dann würden der Einrichtung Einnahmen fehlen, 700 Euro im Monat etwa für einen Krippenplatz. Auffanggruppen, in die Kinder zu jeder Zeit integriert werden, gebe es nicht mehr. Sollte kein Kita-Platz zur Verfügung stehen, könnten die Kinder auch länger als bis zum dritten Geburtstag bei der Tagesmutti bleiben.

Manche wollen Kinder nicht länger hüten

Es gebe jedoch auch Fälle, wo Tagesmuttis eine Betreuung über das dritte Lebensjahr hinaus strikt ablehnen. Mit einigen arbeite er gut zusammen, mit anderen weniger gut. „Ich wünsche mir, dass sich alle einmal zusammensetzen – Jugendamt, Amt, Gemeinde, Kita, Eltern und Tagesmuttis“, schlägt Lejeune vor.

Dass Tagesmuttis in Löcknitz ausgebremst werden, ist auch für Bürgermeister Lothar Meistring (Die Linke) absurd. „Im Gegenteil, wir sind froh, dass es sie gibt. Über das Amt werden ja auch Kinder an die Tagesmuttis vermittelt. Die Eltern haben frei Wahl, müssen sich aber entscheiden“, schildert Lothar Meistring. In Löcknitz gebe es Bestrebungen, eine zweite Kita über einen freien Träger zu eröffnen. Konkret ist aber noch nichts.