Sprengung:

Wieder ein Stück Vergangenheit weg

Schornstein oder Wasserturm? Darüber rätselten unsere Leser. Das ist jetzt fast egal, denn das Bauwerk an der Gropa ist weg. Gesprengt, in einer Minute gefallen.

Eine große Staubwolke, das war`s.  
Angela Stegemann Eine große Staubwolke, das war`s.  

Als es in Pasewalks Oststadt laut „wumm“ macht, läuft das Leben im Plattenbaugebiet ganz normal. Deshalb gucken die Leute ziemlich erstaunt. Erst später merken sie, dass in der alten Industriebrache am Rande des Wohngebietes das letzte hohe Bauwerk verschwunden ist. Im näheren Umkreis war zuvor alles abgesperrt worden. Selbst die Männer der Abrissfirma, der Rostocker Veolia Umweltservice GmbH, mussten sich zurückziehen. Für kurze Zeit nehmen die Leute der Thüringer Spreng GmbH das Zepter in die Hand. „Für uns ist es das normale Tagesgeschäft. Das sind eher die kleinen Aufträge“, erzählt Kay Pechthold. Aber im gleichen Atemzug sagt er: „Trotzdem müssen wir genauso sorgfältig vorgehen. Denn es geht auch um Sicherheit.“ Vier Tage lang bereiteten die Männer das Sprengen des alten Wasserturmes vor. 6,5 Kilogramm Sprengstoff wurden angebracht.

Gespannt sind alle: Wie wird das obere riesige Metallteil fallen? Kay Pechthold versichert: „Alles genau berechnet.“Der Sprengtermin war nicht öffentlich gemacht worden. Die Stadt als Eigentümer der riesigen Industriebrache wollte Menschenaufläufe und übermütige Neugierige vermeiden (der Nordkurier berichtete). Dann wird der Termin um eine halbe Stunde verschoben. Denn ein Zug in Richtung Stettin muss noch vorbeigelassen werden. Plötzlich heißt es dann doch: Wir sprengen! Dreimal ertönt ein Signal. Dann dauert es kaum eine Minute. Was einst mühevoll aufgebaut wurde, ist nur noch ein Haufen Schutt. Auch das Metallteil ist vorbildlich gefallen. Eine Sprengung wie im Bilderbuch. „Von außen war der Turm noch gut, keine Risse. Der hätte noch 20 Jahre gestanden“, sagt einer der Bauleute. Aber das innere Futter war gerissen, weiß Bauamtsleiterin Monika Hänsel.

1958 für das alte Kesselhaus gebaut

Auch wenn sie nicht in der Großbäckerei (Gropa) oder im einstigen Schlachtbetrieb arbeiteten, geht den Pasewalkern die Sprengung nahe. Wieder ein Stück Vergangenheit weg. Manfred Behm erfuhr davon erst später. Der 72-Jährige war einst Fachdirektor Technik im Schlachtbetrieb. Und er gibt sowohl denen Recht, die von einem Schornstein sprachen, aber auch denen, für die das Bauwerk ein Wasserturm war. Denn der gesprengte Turm wurde 1958 für das alte Kesselhaus gebaut. Genutzt wurde dieses sowohl von der Gropa als auch vom Schlachtbetrieb. Ursprünglich diente das Bauwerk als Rauchabzug. Erst später kam der Wasserbehälter hinauf. Das Umrüsten war nötig, weil vor allem der Schlachtbetrieb viel Wasser brauchte.

„Pro Stunde 40 Kubikmeter“, erinnert Manfred Behm sich. Vor allem in der Schweineschlachtung war der Bedarf riesig. Da er aber einsturzgefährdet war, wurde der Schornstein schon  in den 1970er-Jahren nicht mehr betrieben, nur noch der Wasserbehälter genutzt. Und das bis zum Ende des Schlachthofes nach der Wende. Manfred Behm war bis zuletzt dabei. Dann übernahm er bis 2004 die benachbarte Wäscherei. Und die existiert noch!

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