Strasburgs Stromgärtner:

Wird Ostern endlich Strom fließen?

Die Wut über nicht bezahlte Stromrechnungen in einem Teil der Strasburger Gartensparte Am Mühlbach ist groß. Nun wurde eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen. Wann der Strom jetzt fließen soll, ist aber weiter unklar.

Am Kasten der Strasburger Sparte "Am Mühlbach" hängen derzeit nicht nur Informationen, sondern auch die Zeitungsartikel über die Querelen in der Sparte.
Fred Lucius Am Kasten der Strasburger Sparte "Am Mühlbach" hängen derzeit nicht nur Informationen, sondern auch die Zeitungsartikel über die Querelen in der Sparte.

„Ich verstehe nicht, dass es so weit kommen konnte“, sagt ein verbitterter Rentner. Gegen 21.30 Uhr verlässt er am Donnerstagabend das Foyer der Strasburger Max Schmeling Halle. Und er weiß noch immer nicht, ob er zu Ostern wieder in seinem Garten Kaffee kochen kann.

Seine Parzelle gehört nämlich zu jenen in den Wegen sechs bis neun der Sparte Am Mühlbach, die seit Mitte Januar keinen Strom mehr haben (Nordkurier berichtete). Obwohl die Gartenbesitzer ihr Stromgeld bezahlt haben, ließ Versorger Eon die Stromsperrung gerichtlich durchsetzen, weil kein Geld auf dem Konto ankam. Der Fehlbetrag beläuft sich auf etwa 13 600 Euro.

Zuständig für die Kassierung war die Frau des mittlerweile zurückgetretenen Spartenvorsitzenden Günter Stern. In der Folge forderten Kleingärtner – untermauert mit einer langen Unterschriftenliste – eine außerordentliche Mitgliederversammlung. Zu dieser kamen 137 Mitglieder. So viel wie seit 20 Jahren nicht, wie Schatzmeisterin Petra Strathmann zu Beginn der Versammlung sagte. Mit der vorgeschlagenen Tagesordnung zeigte sie sich allerdings überhaupt nicht einverstanden. Sollte doch über die Abwahl des Vorstandes und der Revisionskommission wegen grober Pflichtverletzung und Handeln zum Schaden des Vereins abgestimmt werden. Dazu noch über den Ausschluss einiger Mitglieder sowie über die Trennung der Sparte in zwei Teile.

Nach einer mitunter hektischen und emotionalen Diskussion wurde schließlich die vorgeschlagene Tagesordnung von Bürgermeister Norbert Raulin akzeptiert. Ein wichtiger Punkt: Regelung der Zuständigkeit für die Stromgeldzahlung in den Wegen sechs bis neun. Dies, so macht Bodo Fegenhauer als Vorsitzender des Kreisverbandes der Gartenfreunde deutlich, kann  über den Verein oder über Privatpersonen erfolgen. Letztere müssten dann aber bei Verlusten – wie in der Vergangenheit aufgetreten – haften. Die Variante über den Verein fand keine Zustimmung. Und mit Viola Borgwedel – die Berlinerin hat einen Garten in der Sparte gepachtet – fand sich nur eine Person um das Stromgeld einzukassieren.

Letztlich einigten sich die Kleingärtner der Wege sechs bis neun einstimmig auf die Gründung einer Energiegemeinschaft. „Das wollten wir schon vor einem Jahr“, sagte Falk Böhme, der die Unregelmäßigkeiten bei der bisherigen Stromgeld-Abrechnung seit Längerem anprangert und auch gerichtlich gegen den ehemaligen Vorsitzenden vorgeht. Neben Falk Böhme, ebenfalls aus Berlin, erklärte sich auch die Strasburgerin Gerda Meltzer bereit, in der Energiegemeinschaft mitzuarbeiten.

Böhme dämpfte aber allzu schnell aufkommenden Optimismus: Ob die Stromzuschaltung bis Ostern erfolgen kann, sei fraglich. Denn als Privatperson würde man sich nicht bei Eon anmelden. Möglich sei eine Vereins- oder Firmengründung in Form einer GbR. „Dafür brauchen wir von jedem Mitglied eine Unterschrift zur Legitimation“, erklärte er.

Einer Teilung der Sparte erteilte die Mehrheit der Mitglieder eine Absage – vor allem wegen der damit verbundenen Kosten. Nur 16 waren für eine Spartensplittung. Innerhalb der kommenden vier Wochen soll es zudem eine weitere Mitgliederversammlung geben, in der der Vorstand neu gewählt werden soll.