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Zeitreise durch Geschichte einer kleinen Stadt

Mit einem einem prachtvollen Festumzug haben die Penkuner am Sonnabend auf 775 Jahre Stadtgeschichte mit all ihren Höhen und Tiefen zurückgeblickt. Unsere Bildergalerie zeigt die Höhepunkte.

Dutzende Motive aus der Stadtgeschichte waren im Festumzug enthalten, hier: 1720 - Penkun wird preußisch.
Rainer Marten Dutzende Motive aus der Stadtgeschichte waren im Festumzug enthalten, hier: 1720 - Penkun wird preußisch.

Mit viel Wehmut hat am Sonntag Anke Huth ihre Sachen auf dem Penkuner Schlosshof gepackt. Genau dort hat die Penkunerin und Inhaberin eines Friseursalons und viele andere eine Woche Tag für Tag Zeit verbracht. Sei es die Ausstellung zur Grabung am Bürgersee oder die fotografische Zeitreise durch  Penkun, die Brassband der Musikschule, die Boxkämpfe oder die großen Showprogramme - am Fuße des Schosses spielten sich eine Woche lang Penkuns Leben viel ab. "Es ist bemerkenswert, was der Verein und die vielen Helfer auf die Beine gestellt haben", sagte sie.

Nicht nur der Auftritt der Hochseilartisten Geschwister Weisheit war ein Highlight der Festwoche, der große Festumzug mit über 500 Akteuren übertraf so mache Erwartung. Die Penkuner reisten am Sonnabend nicht nur 5000 Jahre in die Geschichte zurück, sie erlebten Akteure in ihrer Zeit, die nachhaltig die Geschicke des Landstriches prägten. "Was insgesamt den historischen Teil des Festumzuges betrifft, so wurde er unvergleichbar gut zusammengestellt. Aber auch die  Teilnehmer, die für die Gegenwart stehen, haben allen Dank verdient", sagte der Penkuner Horst Rothe nach dem Umzug.

Freunde aus den Partnergemeinden zu Gast

Die vielen Schaubilder verdeutlichten, dass Phasen des Aufstieges und des Niederganges Penkuns Geschichte prägten. 1630 ging die Stadt in Flammen auf, angezündet von den Kaiserlichen während der Schrecken des Dreißigjährigen Krieges. Die Kosaken weilten um 1730 in Penkun, von 1806 bis 1809 waren es die Franzosen. In die Rolle jener Besetzer von einst schlüpften - Ironie der Geschichte - beste Freunde aus Penkuns Partnerstadt Fors. Remy, Marie-Claude, Alan - jeder kennt jeden und redet sich heute nur noch mit den Vornahmen an - zogen, napoleonisch uniformiert, durch die Stadt.

Götz Grünberg, Moderator des Umzuges, verstand es in seinen Kommentaren auf die Rolle der Zeitgenossen, darunter Napoleons, für das spätere Reich einzugehen: Der Korse setzte eine Reihe bis heute geltende Reformen durch und überwand vielerorts die Kleinstaaterei. Remy Chauveau, Präsident des Clubs der Deutsch-Französischen Freundschaft, war insgesamt sehr angetan von dem Umzug, weil dort "das ganze städtische Leben über sieben Jahrhunderte auftaucht". Vergleichbar Jubiläumsfeiern in französischen Kommunen kenne er nicht.

Dem historischen Teil des Festumzuges folgten viele Bilder der Jetzt-Zeit: Landwirte, Unternehmer, Vereine. Anke Huth, die Meisterin des Friseurhandwerkes, die am Sonntag ihre Sache auf dem Schlosshof packte, betrachtet das große Fest auch als Unternehmerin: "Für den Verein hoffe ich nur, dass das alles auch finanziell aufgeht."