Enttäuschung nach Volksentscheid:

Absage kein generelles Aus für Olympia in Deutschland

Das war‘s erst mal mit deutschen Olympia-Bewerbungen in naher Zukunft. Die Aufarbeitung des 0:4-Bürgervotums fällt allen Beteiligten schwer. Auch das weitere Vorantreiben von Reformen ist nun in Gefahr.

Die Skisprung-Schanze im bayrischen Garmisch-Partenkirchen wird 2022 keine Sportstätte bei den Olympischen Winterspielen sein. Die Bürger entschieden sich gegen eine Bewerbung als Austragungsort.
Marc Müller Die Skisprung-Schanze im bayrischen Garmisch-Partenkirchen wird 2022 keine Sportstätte bei den Olympischen Winterspielen sein. Die Bürger entschieden sich gegen eine Bewerbung als Austragungsort.

Am Tag nach dem Nein von München und nach dem Aus für die deutsche Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2022 ist man in der Bundesregierung um Schadensbegrenzung bemüht, sucht nach Ursachen und berät über notwendige Konsequenzen. Deutschland hätte von einem solchen Großereignis profitiert, heißt es aus den Ministerien. Doch spätestens nach den Protesten gegen das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 herrscht auch in Berlin die Gewissheit, dass Projekte dieser Größenordnung nicht gegen den Willen der Bevölkerung zu realisieren sind. „Wir müssen alles tun, damit es beim nächsten Mal klappt“, erklärt der amtierende Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) über seinen Sprecher.

War es das mit internationalen Sportveranstaltungen in Deutschland? Ist die Münchener Absage eine Hypothek für mögliche Bewerbungen der Zukunft? „Das Nein zu Olympia 2022 bedeutet nicht das generelle Aus für Olympische Spiele in Deutschland“, gibt man sich im Innenministerium optimistisch. Friedrich wolle mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) weiter im Gespräch bleiben.

Auswirkungen auf Berliner Olympia-Bewerbung

Nach dem Sommermärchen der Fußball-WM 2006 in Deutschland das Wintermärchen 2022 – der Traum ist ausgeträumt. Politiker und Sportfunktionäre dürften jetzt wohl noch vorsichtiger sein und sich eine Bewerbung für Olympia eher zweimal überlegen.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sieht in dem Veto der Bürgerinnen und Bürger in München jedoch einen generellen Rückschlag für den Versuch, Olympische Spiele in Zukunft wieder nach Deutschland zu holen. Berlin galt zuletzt immer wieder als möglicher Bewerber für die Ausrichtung Olympischer Sommerspiele und hält sich dies weiter offen. Das Nein von München – eine regionale Entscheidung oder ein Protest gegen des Internationale Olympische Komitee (IOC), an dessen Spitze mit Thomas Bach inzwischen ausgerechnet ein Deutscher steht?

Auch die deutsche Sektion der Antikorruptions-Organisation Transparency International bedauert das Aus für die Bewerbung, sieht darin eine verpasste Chance ganz anderer Art. So habe sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) zuletzt sehr bewegt und Entgegenkommen in der Frage der Verbesserung von Transparenz und Ethik gezeigt. Mit der Absage an die Olympia-Bewerbung werde es nun auch schwieriger, Reformen im IOC voranzubringen.

Die verbleibenden sechs Bewerber

  • Oslo (Norwegen)
  • Peking (China)
  • Krakau (Polen)
  • Almaty (Kasachstan)
  • Lwiw (Ukraine)
  • Stockholm (Schweden)

Alle wollen das Winterspektakel ausrichten und auf der IOC-Vollversammlung am 31. Juli 2015 in Kuala Lumpur den Zuschlag erhalten.