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Ärmere sind besonders von Preisexplosionen betroffen

Zwischen der offiziellen Inflation und der Teuerung, die der einzelne Bürger erlebt, klafft oft eine riesige Lücke. Das gilt besonders, wenn die Preise für Lebensnotwendiges wie Nahrung explodieren.

Lebensmittel werden immer teurer. Butter kostet fast ein Drittel mehr als noch vor einem Jahr.             
David Ebener Lebensmittel werden immer teurer. Butter kostet fast ein Drittel mehr als noch vor einem Jahr.  

Egal ob Fleisch, Obst oder Gemüse: Der kräftige Anstieg der Nahrungsmittelpreise macht sich immer deutlicher beim Einkauf bemerkbar. Das trifft Verbraucher umso härter, je weniger Einkommen sie haben. Denn diese Menschen geben in der Regel einen besonders großen Teil ihres Einkommens für Grundbedürfnisse wie Ernährung aus, sagt Expertin Sabine Touil vom Statistischen Bundesamt. Da schmerzt es schnell, dass Paprika fast die Hälfte mehr als vor einem Jahr kostet, Kartoffeln 44 Prozent und Butter sich in nur zwölf Monaten fast um ein Drittel verteuert hat.

Dabei steigen die Verbraucherpreise mit 1,9 Prozent in einem Tempo, das nahe dem Zielwert der Europäischen Zen-tralbank liegt. Kein Wunder also, dass die „offizielle“ Inflation, die das Statistische Bundesamt nach einem repräsentativen Warenkorb berechnet, bei manch einem Verbraucher nur Kopfschütteln verursacht. Denn gefühlt liegen die Preissteigerungen im „Teuro“-Land oft noch höher als das, was Statistiker errechnen.

„Die gefühlte Inflation ist bei Gütern des täglichen Bedarfs viel höher als bei monatlichen Abbuchungen wie der Stromrechnung – weil man sie ganz bewusst erlebt“, betont Experte Alexander Koch von der Bank Unicredit. Zudem sind Experten überzeugt, dass Verbraucher Preissteigerungen stärker wahrnehmen als Preissenkungen.

 

Mit dem Preisrechner online die persönliche Inflation berechnen

Doch vor allem für Menschen mit niedrigem Einkommen wird das Leben im Moment tatsächlich teurer. „Derzeit steigen vor allem die Preise für Nahrungsmittel. Das erfährt man täglich beim Einkauf im Supermarkt. Das treibt die gefühlte Inflation nach oben, aber auch die tatsächliche“, sagt Gustav Horn vom gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) und betont: „Weil Haushalte mit niedrigem Einkommen einen höheren Anteil ihrer Ausgaben für Nahrung aufbringen, sind Ärmere stärker betroffen als Reiche.“

Auch die Statistiker wissen, dass sie mit ihren Berechnungen zwar ein Gesamtbild zeichnen, aber keinesfalls die Belastungen des einzelnen Verbrauchers: „Die Inflationsrate lässt sich nicht direkt auf die eigene Situation übertragen, da sie sich auf die Konsumausgaben aller privaten Haushalte in Deutschland bezieht. Wer etwa kein Auto hat, wird auch kein Geld für Kraftstoffe ausgeben – diese gehören aber zum Warenkorb der Preisstatistik.“ Deshalb bietet die Behörde auf ihrer Homepage einen „persönlichen Inflationsrechner“ an. Dort können Verbraucher die Gewichtung einzelner Warengruppen nach ihren Ausgaben verändern und so erfahren, wie sehr sich ihr Leben verteuert hat. Demnach gibt ein Durchschnittshaushalt 9,1 Prozent für Nahrung aus, bei Ärmeren können es aber bis zu 20 Prozent sein, schätzt Horn.