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„Alle sind das Volk“

Sachsen gilt als Hochburg von Rechtsextremisten, nirgendwo ist Pegida stärker. Zu den Einheitsfeiern in Dresden fordert die Kanzlerin, sich Rechten entgegenzustellen.

Statt "Wir sind das Volk" sagt Kanzlerin Angela Merkel anlässlich des 26. Jahrestages der Deutschen Einheit "Alle sind das Volk".
Federico Gambarini Statt "Wir sind das Volk" sagt Kanzlerin Angela Merkel anlässlich des 26. Jahrestages der Deutschen Einheit "Alle sind das Volk".

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zum 26. Jahrestag der deutschen Einheit dazu aufgerufen, den zentralen Freiheitsruf der DDR-Bürgerrechtsbewegung gegen Rechtspopulisten zu verteidigen. Man müsse dagegen auftreten, wenn Menschen mit rechtem Hintergrund „Wir sind das Volk“ riefen, sagte Merkel am Samstag in einer Videobotschaft. Dieser Ruf sei während der friedlichen Revolution in der DDR „ein sehr emanzipatorischer“ gewesen.

„Heute haben wir eine andere Situation: Wir haben heute eine Ordnung, in der jeder das Recht hat, frei seine Meinung zu sagen, zu demonstrieren. Und deshalb muss man sagen: Alle sind das Volk“, betonte Merkel. Heute werde der Ruf von Menschen verwendet, die glaubten, zu kurz gekommen zu sein, aber auch von solchen mit rechtem Hintergrund - „was ich natürlich nicht richtig finde und wogegen wir auch auftreten müssen“.

Schorlemmer: Bevormundung der Ostdeutschen ist unterschätzt worden

Mit einem Bürgerfest begannen am Samstag in Dresden die zentralen Feiern zum Tag der deutschen Einheit. Sachsen gilt als Hochburg von Rechtsextremisten. Mit der Pegida-Bewegung ist vor allem die Landeshauptstadt zum Symbol einer neuen rechtspopulistischen und nationalistischen Bewegung geworden.

Der DDR-Bürgerrechtler und Friedenspreisträger Friedrich Schorlemmer vertrat die Ansicht, die Langzeitwirkung von Entmündigung, Demütigung und Bevormundung der Menschen in Ostdeutschland sei völlig unterschätzt worden. Rechtsnationales Gedankengut mache sich in Deutschland und Europa erschreckend breit, sagte er.