Ein Fall aus dem Leserhilfswerk:

Alter Fernseher als wichtigste Unterhaltung

Erst vor wenigen Monaten musste Peter Kramer ein Bein amputiert werden. Eine Folge seines Diabetes. Schon seit der Diagnose vor fast 20 Jahren fand er keinen neuen Job mehr.

Das Leserhilfswerk der Kurierverlagsgruppe hilft Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind.
nk Das Leserhilfswerk der Kurierverlagsgruppe hilft Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind.

Mitten in dem kleinen Wohnzimmer von Peter Kramer(*) steht das Bett, quer in den Raum hinein gestellt. „So ist es am günstigsten, dann komme ich noch daran vorbei“, sagt er. Die Tür zum Schlafzimmer ist so schmal, dass er den Raum im Moment nur schwer nutzen kann.

Peter Kramer sitzt im Rollstuhl. Im August wurde ihm der linke Unterschenkel amputiert. Eine Folge seines Diabetes. Bei einer Routine-Untersuchung Anfang der 1990er Jahre habe sich herausgestellt, dass er Diabetes hat, erzählt Peter Kramer. Seinen Beruf als Maurer konnte er von da an nicht mehr ausüben. Er dürfe nicht mehr als drei Kilogramm heben und müsse noch andere gesundheitliche Einschränkungen beachten, sagt er.

Umschulung konnte er wegen Krankheit nicht beenden

Seine Suche nach einer neuen Festanstellung blieb ohne Erfolg. Eine Umschulung konnte er nicht beenden, weil er häufig wegen Krankheit fehlte. So musste er sich im Laufe der Jahre mit einigen ABM und Ein-Euro-Jobs begnügen, erzählt der heute 47-Jährige, der nun seit Langem von Arbeitslosengeld II lebt.

In diesem Jahr dann stellten sich Probleme mit den Beinen ein. Eine Wunde an den Fersen, die trotz intensiver Behandlung nicht heilte. „Die Wunde wurde immer größer“, sagt Peter Kramer. Als sich zusätzlich heftige Schmerzen einstellten, ging alles ganz schnell. „Am Freitag war das Bein noch ansehnlich, am Montag war es schwarz“, beschreibt der ruhige, ausgeglichene Mann. Er kam ins Krankenhaus. Schon am Abend seien ihm drei Zehen und ein Stück vom Mittelfuß amputiert worden. Doch die Probleme wurden noch schlimmer, erinnert er sich. Letztlich musste der Unterschenkel amputiert werden. „Was sollte ich machen, es ging nicht anders. So habe ich zugestimmt, dass so viel wie nötig abgenommen wird“, erzählt er und man merkt, wie sehr ihn das noch immer bewegt. Der 47-Jährige ist seitdem auf den Rollstuhl angewiesen. Eine Prothese wurde zwar mittlerweile für ihn angefertigt, doch noch kann er sie nicht tragen. „Zum Glück wohne ich im Parterre“, sagt er. So könne er auch ab und an nach draußen, wenn er Hilfe bekomme, um die eine Treppe zu überwinden.

Ohne Hilfe schafft er alltägliche Dinge nicht

Doch auch in der Wohnung kann sich Peter Kramer nur sehr mühsam bewegen, selbst wenn er dazu die Gehhilfen nutzt. Die Türen sind eng. Die Tür zum Badezimmer ist ausgehängt. Zum Glück helfen ihm seine Partnerin und deren Töchter, sagt der Mann im Rollstuhl. Sie wohnen in einer eigenen Wohnung, nicht weit entfernt. Doch sie kochen und waschen für ihn, gehen einkaufen und packen auch beim Hausputz zu. Peter Kramer ist darüber sehr froh.

Den größten Teil des Tages ist er jedoch allein. „Ohne Hilfe schaffe ich es eben nicht raus“, sagt er achselzuckend. So ist der Fernseher seine wichtigste Unterhaltung. Der ist allerdings alt und hat so manche Macke. So schaltet sich das Gerät nach kurzer Zeit immer wieder von selbst aus. „Ich habe schon Angst, dass er sich dann gar nicht mehr anschalten lässt“, sorgt sich Peter Kramer.

Ein neues TV-Gerät kaufen? Das würde er gern tun, aber er hat keine Rücklagen. Mit dem Hartz-IV-Geld komme er gerade so über den Monat. „Bis Ende des Jahres bin ich von der Medikamenten-Zuzahlung befreit, dann wird es noch knapper“, weiß der Mann im Rollstuhl.

(*) Name von der Redaktion geändert

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