Unterstützung für illegal Beschäftigte:

Angst vor Abschiebung fördert Ausbeutung

Wie viele Ausländer ohne Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung von hiesigen Firmen angestellt werden, weiß niemand genau. Sie arbeiten oft unter miesen Bedingungen und werden schlecht bezahlt.

Illegal Beschäftigte arbeiten oft in der Gastronomie. Wie viele genau, ist nicht bekannt.
Marcus Brandt Illegal Beschäftigte arbeiten oft in der Gastronomie. Wie viele genau, ist nicht bekannt.

Das Angebot klang halbwegs fair. Für 1500 Euro im Monat sollte Maria C. in einem Kühlungsborner Restaurant als Köchin arbeiten. Zunächst wurde ihr eine Einstellung von Anfang Juli bis Anfang November versprochen, in der nächsten Saison sollte sie dann einen unbefristeten Vertrag bekommen. Da das Restaurant kurz vor seiner Eröffnung stand, arbeitete die Chilenin zwölf Stunden täglich, ohne freien Tag. Sie bereitete mexikanische Spezialitäten vor, die tief gefroren wurden. Nach knapp zwei Wochen, einen Tag vor der Eröffnung des Restaurants, wurde ihr mündlich gekündigt. Den Lohn gab es in einem Briefumschlag. Doch statt der erwarteten 750 waren darin nur 250 Euro. Gar nicht fair. Das Problem war nur, Maria C. hatte weder einen Arbeitsvertrag, noch eine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland. Doch völlig rechtlos war sie deswegen nicht.

Der Arbeitskreis „Undokumentierte Arbeit“ der Gewerkschaft ver.di, von dem diese Fallbeschreibung stammt, hilft ausländischen Arbeitnehmern, die ohne Papiere von hiesigen Unternehmen beschäft werden. Unser Redaktionsmitglied Matthias Diekhoff hat sich mit Vertretern des Arbeitskreises unterhalten.

Wie viele Fälle undokumentierter Arbeit aus Mecklenburg-Vorpommern sind Ihnen bekannt?

Berichten können wir nur von Maria C., zu deren Fall die Güteverhandlung in Rostock stattgefunden hat. Aber Maria war nicht die einzige, die im gastronomischen Bereich in Mecklenburg-Vorpommern unter diesen Bedingungen arbeiten musste. Doch für die meisten ist die Angst vor dem Arbeitgeber und den Behörden zu groß, deshalb wollen sie nicht öffentlich in Erscheinung treten.

Unter welchen Bedingungen arbeiten die Betroffenen?

Sie haben die schlechtesten und am schlechtesten bezahlten Jobs. Oft werden ihnen Löhne versprochen, die dann am Ende nicht gezahlt werden, das heißt entweder sie bekommen nur einen Bruchteil des versprochenen Lohns oder auch gar nichts. Außerdem arbeiten sie zum Teil zu extrem niedrigen bis sittenwidrigen Stundenlöhnen. Sie haben in der Regel keinen reellen Anspruch auf bezahlten Krankheitsurlaub, arbeiten oft sehr lange und müssen auf Abruf bereit stehen. Da sie Angst vor Aufdeckung und Abschiebung haben, sind sie dem Risiko der Ausbeutung besonders stark ausgesetzt. Sich zu wehren ist in der Praxis sehr schwer, das wird von den Arbeitgebern mitunter stark ausgenutzt.

An wen können sich die Betroffenen wenden, wenn sie nicht unbedingt zur Polizei gehen möchten?

Neben unserem Arbeitskreis gibt es ähnlich gewerkschaftliche Arbeitskreise und Projekte in München, Hamburg, Frankfurt und Köln. In diesen Städten heißen sie MigrAr, machen aber im Prinzip die gleiche Arbeit wie wir.

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