Schoko-Streit:

Aromen unter der Lupe

Mitten in der Weihnachtszeit sorgt die Auseinander-setzung um Aromen weiter für Wirbel. Er rückt auch die Branche der Geschmackstoffhersteller in den Fokus – ein Milliardengeschäft. Doch die Bedenken bei den Verbraucherschützern bleiben.

Die Symrise AG ist ein weltweiter Anbieter von Duft- und Geschmacksstoffen. Doch was ist natürlich?
Swen Pförtner Die Symrise AG ist ein weltweiter Anbieter von Duft- und Geschmacksstoffen. Doch was ist natürlich?

Bislang war Symrise einer der vielen eher unbekannten Branchen-Riesen in Deutschland. Dann aber brach der Schoko-Streit aus. Natürliches Aroma oder nicht? Das ist die Frage.

Die Stiftung Warentest war in einer Schokolade von Ritter Sport auf den Stoff Piperonal gestoßen, der von Symrise geliefert wird. Anders als auf der Packung angegeben, sei Piperonal nicht „natürlich“, urteilte die Stiftung. Dies sei irreführend – die Folge: ein „mangelhaft“. Gegen die Behauptung, einen „chemisch hergestellten Aromastoff“ verwendet zu haben, erwirkte Ritter eine einstweilige Verfügung. Über den Einspruch der Stiftung wurde am Freitag vor dem Landgericht München verhandelt. Einem vom Richter vorgeschlagenen Vergleich stimmten die beiden Parteien zunächst nicht zu. Am Montag soll weiter verhandelt werden. Vor Gericht geht es erst einmal nur um die Behauptung. Das Testverfahren sei nicht Gegenstand der Verhandlung, sagt eine Warentest-Sprecherin. Auch bei Ritter Sport will man zunächst die Entscheidung abwarten, bevor man über weitere Schritte nachdenkt.

Der Piperonal-Hersteller Symrise rückt mit dem Streit in den Fokus. Das Unternehmen macht einen Jahresumsatz von 1,75 Milliarden Euro und ist mit Abstand die Branchen-Nummer eins in Deutschland.

Verbraucher achten auf natürliche Produkte

Ortsbesuch im südniedersächsischen Weser-Städtchen Holzminden: Auf einem Tisch liegen Tüten mit Schokolade. „Probieren Sie“, sagt Simone Peschke. „Und jetzt hiervon. Schmecken Sie den Unterschied?“ Dieselbe Schokolade. Aber ein anderer Geschmack. „Das liegt am Vanillearoma. Und das ist selbstverständlich natürlich“, sagt die Wissenschaftlerin, die beim Geruchs- und Geschmackstoffhersteller für Süßes zuständig ist und an neuen Aromen für Kekse, Backmischungen oder Bonbons arbeitet.

„Fast alle Aromen sind natürlichen Ursprungs“, sagt Firmensprecher Bernhard Kott. „Das gilt auch für Piperonal.“ Die Sensibilität der Verbraucher für natürliche Produkte sei stark gestiegen. Sein Unternehmen habe darauf reagiert. Selbst Geschmacksverstärker hätten heutzutage eine natürliche Basis. Dazu verarbeitet Symrise jährlich 5000 Tonnen Zwiebeln. Einzig Menthol, das für Kaugummi oder Zahncreme verwendet wird, werde „komplett synthetisch“ hergestellt.

Aromen bringen das Verhältnis durcheinander

Rund 15 000 Aromen hat Symrise im Angebot: Süß, salzig, sauer, bitter, würzig, gemüsig, fruchtig, fleischartig. Zu den Kunden zählen nahezu alle Größen der Nahrungsmittel- sowie der Kosmetik- und Reinigungsmittelindustrie. Wissenschaftlerin Simone Peschke von der Süß-Abteilung weiß: „Das Aroma muss dafür sorgen, dass ein Produkt immer gleich schmeckt. Die Konsumenten erwarten das.“

Verbraucherschützerin Grunewald dagegen glaubt eher, „das die vielen Aromen in Lebensmitteln das Verhältnis zur natürlichen Nahrung durcheinanderbringen“.

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