Hohe Ansprüche:

„Azubi dringend gesucht"

Die Wirtschaft ruft nach Lehrlingen und klagt, dass viele Stellen nicht zu besetzen sind. Doch an Bewerbern mangelt es noch nicht. Was fehlt, ist der Wunschkandidat am richtigen Ort.

Die Wirtschaft schlägt Alarm: Geeignete Azubi-Kandidaten sind Mangelware.
Hendrik Schmidt Die Wirtschaft schlägt Alarm: Geeignete Azubi-Kandidaten sind Mangelware.

Immer häufiger prangt in diesen Tagen an Betrieben das Schild: „Auszubildende dringend gesucht“. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) spricht von 100 000 unbesetzten Lehrstellen. Bei den Arbeitsagenturen sind wenige Wochen vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres noch 146  000 freie Plätze im Angebot. Droht nach dem jahrelangen Mangel an Ausbildungsplätzen nun ein noch drastischerer Mangel an Bewerbern?

„Vorsicht!“, sagen Arbeitsmarkt- wie Berufsbildungsexperten und mahnen zu einer differenzierteren Betrachtung. Noch immer sind bei den Arbeitsagenturen über 200 000 junge Menschen auf der Suche nach einem Platz. Weitere 250 000 befinden sich in „Warteschleifen“ zwischen Schule und Beschäftigungssystem. Das sind vom Staat oder den Arbeitsagenturen finanzierte Nachqualifizierungen, deren Nutzen von Berufsforschern zum Teil massiv bezweifelt wird.

Bewerber erfüllen Anspruch der Firmen nicht

Anforderungen und Wünsche der Wirtschaft an die Bewerber sowie die schulische Vorbildung der Jugend hätten sich in den vergangenen Jahren immer mehr auseinanderentwickelt, stellt der Sozialforscher Martin Baethge fest, der seit Jahren für Bund und Länder im Bildungsbericht die Ausbildungssituation regelmäßig analysiert.

Der klassische Hauptschüler findet heute unmittelbar nach der Schule äußerst selten eine Lehrstelle – selbst mit Bestnoten nicht. Folge sind in der Regel langwierige Nachqualifizierungen – bisweilen sogar über mehrere Jahre hinweg. Im Schnitt sind die jungen Menschen bei Eintritt in eine betriebliche Lehre heute 19,6 Jahre alt. Und dieser Altersschnitt wurde nicht nur durch die vielen Abiturienten in die Höhe getrieben, die heute eine betriebliche Ausbildung beginnen, wie eine Untersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung unlängst belegte.

Arbeitslose Spanier sollen offene Lehrstellen besetzen

Unter großer medialer Begleitung hat die Bundesregierung zuletzt einige hundert arbeitslose spanische Jugendliche nach Deutschland geholt. Die jungen Menschen sollen ab Herbst in Regionen mit Bewerbermangel eine Lehre absolvieren. „Die jungen Spanier sind uns natürlich willkommen“, sagt die neue DGB-Vize Elke Hannack. „Gleichwohl dürften die Unternehmer aber die vielen Hauptschüler in Deutschland nicht vergessen, die seit Jahren bislang vergebens eine Lehrstelle suchen“, mahnt der Deutsche Gewerkschaftsbund in diesem Zusammenhang.

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