Discounter rüsten auf:

Bioprodukte immer beliebter

Die Deutschen geben immer mehr Geld aus für Produkte aus kontrollierter ökologischer Erzeugung. Vor allem Bio-Fachmärkte und „klassische“ Supermärkte profitierten bisher davon. Doch jetzt rüsten die Discounter auf.

Auch in den Discountern wird jetzt nach Ansicht von Branchen-kennern künftig öfter das Bio-Siegel zu sehen sein.
Oliver Berg Auch in den Discountern wird jetzt nach Ansicht von Branchen-kennern künftig öfter das Bio-Siegel zu sehen sein.

Paukenschlag bei Aldi Nord: Der Discounter vergrößert in diesen Wochen sein Bio-Sortiment drastisch. Unter der Eigenmarke „GutBio“ sollen im Standardsortiment künftig über 50 Artikel aus kontrolliert ökologischem Anbau angeboten werden – fast 70 Prozent mehr als bislang. Nicht nur Eier, Vollmilch und Hackfleisch sollen künftig in Bio-Qualität in den Regalen des Billiganbieters stehen, sondern auch Gemüsekonserven, Tiefkühl-Fisch sowie diverse Fleisch- und Wurstartikel.

Aldi Nord reagiere damit auf „veränderte Konsum- und Ernährungsgewohnheiten von Verbrauchern in Deutschland“, so das Unternehmen. Tatsächlich gaben die Deutschen nach Berechnungen des Arbeitskreises Biomarkt 2014 fast acht Milliarden Euro für Bio-Lebensmittel aus, knapp fünf Prozent mehr als 2013. Deutschland ist damit nach den USA der zweitgrößte Biomarkt der Welt.

Discounter haben Einbußen mit Bio-Produkten

Ein Ende des Trends ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: „Die Zahl der Verbraucher, die Wert auf einen gesunden und nachhaltigen Lebensstil legen, wächst kontinuierlich“, sagt Marktforscher Wolfgang Adlwarth von der Gesellschaft für Konsumforschung.

Der große Gewinner des Biobooms ist zurzeit nach einer Marktuntersuchung des Arbeitskreises Biomarkt der Naturkosthandel. Vor allem Bio-Supermärkte wie Denn’s oder Alnatura konnten 2014 deutliche Zuwächse erzielen, wie Hans-Christoph Behr, Bereichsleiter Verbraucherforschung der im Arbeitskreis federführenden Agrarmarkt Informations-Gesellschaft AMI berichtet. Doch auch die „klassischen“ Supermärkte konnten dank ihrer breiten Angebotspalette bei Bio-Produkten kräftig punkten.

Neue Offensive der Billiganbieter

Verlierer waren die Discounter. Sie haben nach Zahlen des Arbeitskreises 2014 im Geschäft mit Bio-Produkten sogar leichte Umsatzeinbußen hinnehmen müssen und Marktanteile verloren. Für Branchenkenner Behr ist das nicht verwunderlich. „Es gab eine Zeit, da waren die Discounter sehr heiß auf das Thema Bio. Sie haben relativ viele Produkte eingelistet. Erst danach haben sie geschaut, was sich wirklich verkauft. Und inzwischen haben sie ihr Sortiment bereinigt. Das hat natürlich zu Umsatzeinbußen geführt.“

Die Pläne von Aldi Nord zum Ausbau des Bio-Angebots sind für Handelsexpertin Denise Klug vom Marktinformationsdienst Planet Retail denn auch weniger das Signal für eine neue Offensive der Billiganbieter im Öko-Bereich, als vielmehr der Versuch, bislang Versäumtes nachzuholen. „Aldi Nord hatte beim Thema Bio-Produkte noch Nachholbedarf gegenüber Aldi Süd und auch gegenüber dem Konkurrenten Norma“, urteilt die Marktkennerin.

Die meisten Bio-Anbieter wollen weiter ausbauen

Tatsächlich sind andere Billiganbieter schon deutlich weiter. Das Schwesterunternehmen Aldi Süd hat nach eigenen Angaben „rund 130 Bio-Produkte als Standard-, Saison- und Aktionsartikel“ im Angebot. Netto bietet unter der Eigenmarke Bio-Bio „über 170 ökologisch zertifizierte Lebensmittel“ an. Norma hat mehr als 140 dauerhaft geführte Bioprodukte in den Regalen, hinzu kommen 110 Bio-Aktionsartikel.

Bei den Supermärkten erreicht das Angebot noch einmal eine andere Dimension. Rewe etwa führt nach eigenen Angaben rund 2000 Artikel mit Bio-Kennzeichnung. Bio-Supermärkte wie Alnatura oder Basic haben sogar 6000 bis 12 000 Bio-Produkte im Angebot. Und die meisten Anbieter wollen weiter ausbauen.

Wachstumspotenzial beim Thema Bio gibt es schließlich noch reichlich. Bisher kommen die Bioprodukte in Deutschland erst auf einen Marktanteil von knapp vier Prozent. Zum Vergleich: In der Schweiz liegt er bei 6,9 Prozent, in Dänemark sogar bei 8 Prozent. Wachstumspotenzial sieht Marktkenner Behr vor allem noch bei Halbfertig- und Fertigprodukten bis hin zur Bio-Jägersoße. „Bio ist noch sehr frischelastig“, sagt er.

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