Gibt’s im Frühling eine Plage?:

Borkenkäfern gefällt das warme Wetter

Sie sind winzig, werden aber von Waldbesitzern gefürchtet. Und weil es lange trocken war, haben sich die Schädlinge ordentlich vermehrt.

Borkenkäfer sind nur unter der Lupe zu erkennen, können aber eine Gefahr für ganze Wälder sein.
Daniel Karmann Borkenkäfer sind nur unter der Lupe zu erkennen, können aber eine Gefahr für ganze Wälder sein.

Sie sind unscheinbar, können jedoch riesige Schäden verursachen: Borkenkäfer. Vor allem der nur zwei Millimeter große Kupferstecher und der etwa fünf Millimeter große Buchdrucker werden gefürchtet. Nach dem eher kalten Frühsommer hat der heiße Juli den Insekten gut gefallen – sie haben sich stark vermehrt. „Die Lage ist angespannt“, sagt Diplomforstwirtin Nadine Bräsicke vom bundeseigenen Julius Kühn-Institut (JKI).

Auch Michael Habermann von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) in Göttingen hält die Lage für ernst, aber nicht hoffnungslos. „In einigen Gebieten gibt es Nester der zweiten Generation. Die befallenen Bäume sollten schnellstens gefällt und aus dem Wald entfernt werden.“

Mitte April schwärmen die Borkenkäfer normalerweise aus. Je nachdem, wie viele der im Vorjahr angelegten Nester den Winter im Wald überstanden haben, kann es zu einer explosionsartigen Vermehrung kommen – mit enormen Schäden vor allem in Fichtenwäldern als Folge. Meist Wälder in Bayern und Hessen, aber auch Thüringen seien dann bedroht. Sollte der Herbst warm und sonnig werden, fürchtet Bräsicke in diesem Jahr sogar vereinzelt eine dritte Käfer-Generation. „Im Frühjahr könnte es dann eine Plage geben“, erklärt sie.

Männchen locken mit Duftstoffen in die "Rammelkammer"

Die Käfermännchen knabbern in die Rinde der Bäume Hohlräume, von Wissenschaftlern Rammelkammern genannt. Dann sondern sie Duftstoffe ab und locken so die Weibchen an. Nach der Paarung legen die Weibchen mehrere Zentimeter lange Gänge an, in denen sie die Eier ablegen. Jede einzelne Larve frisst sich dann wiederum einen kleinen Gang. „So entstehen die je nach Käferart typischen Muster in der Baumrinde“, erklärt Bäsicke. Dabei werden die Nährstoffadern der Bäume zerstört.

Die wichtigste vorbeugende Maßnahme sei der Brutraumentzug durch schnelle Holzabfuhr und die Aufarbeitung von Sturm- und Bruchholz. Mischwälder schützen zudem vor einer Plage. Nach dem Krieg wurden viele Wälder in Monokultur angelegt. Die schnell wachsenden Fichten etwa versprachen hohen Gewinn. Seit Anfang der 90er Jahre ist vielerorts mit einem naturnahen Waldumbau begonnen worden. „Das dauert natürlich Jahrzehnte, bis wieder überall Mischwälder gewachsen sind“, sagt Bräsicke.

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