Display statt Papier:

Das lukrative Geschäft mit den Tickets im Netz

Wenn Dienstleister Eintrittskarten online verkaufen, rechnet sich das für sie besser als beim Absatz in der guten alten Vorverkaufsstelle. Längst widmen sich diverse Branchen gezielt dem Internetkanal. Das heißt noch lange nicht, dass die Preise purzeln.

Die Branche wächst deutlich schneller als der herkömmliche Einzelhandel: Eintrittskarten für Fußballspiele und Konzerte können spielend leicht im Web gekauft werden.
Patrick Pleul Die Branche wächst deutlich schneller als der herkömmliche Einzelhandel: Eintrittskarten für Fußballspiele und Konzerte können spielend leicht im Web gekauft werden.

Früher gab es Fahrkarten beim Schaffner im Zug, heute reicht der Griff zum Smartphone oder zur Computermaus. Tickets im 21. Jahrhundert – das heißt: Display statt Papier, Software statt Servicemitarbeiter, Online-Abbuchung statt Bargeld. Die Deutsche Bahn verkaufte schon 2012 mehr Karten an Automaten und übers Internet als in ihren Reisezentren. Die Ticketmaschinen hatten aber noch einen Vorsprung vor dem Netz. „Das wird sich 2013 voraussichtlich umdrehen, das Internet wird also den Automaten überholen“, sagt ein Bahnsprecher.

Im Fernverkehr der Bahn sei schon heute jede zweite Fahrkarte ein Online-Ticket. Der Löwenanteil wird im Netz gebucht und am Rechner ausgedruckt. Dass alles gleich ganz papierlos per Smartphone abläuft, sei noch selten – gewinne aber zunehmend an Bedeutung. „Bei den Buchungen über mobile Kanäle bewegen wir uns noch im einstelligen Prozentbereich, sehen hier aber starkes Wachstum“, sagt der Sprecher. Die Bahn zeigt als Beispiel, was derzeit ganze Branchen umwälzt. Auch für Konzert- oder Fußballkarten muss heutzutage niemand mehr in Schlangen vor den Vorverkaufsstellen ausharren, die Tickets kommen nach wenigen Klicks bequem per Post nach Hause.

Mit schnellem Wachstum der Online-Kanäle gerechnet

Dem liege ein genereller Trend zugrunde, sagt Dimitris Hiotis. Er arbeitet von London aus als Direktor der globalen Strategieberatung Simon-Kucher aus Bonn. Der Onlinekauf im Einzelhandel dürfte bis 2018 jedes Jahr um rund 11 Prozent zulegen, sagt Hiotis unter Verweis auf aktuelle Erwartungen der Branche. „Im Gegensatz dazu ist der herkömmliche Einzelhandel in Deutschland in den ersten neun Monaten dieses Jahres nur um 0,2 Prozent gewachsen.“

Hiotis rechnet mit einem nachhaltig schnellerem Wachstum der Online-Kanäle. In welchem Tempo das jeweils geschehe, hänge oft vom Produkt ab: „Ein Ticket fürs Reisen zu kaufen, benötigt keinen Liefer- oder Postweg, man kann es einfach ausdrucken oder sogar gleich aufs Smartphone laden. Das ist der Hauptgrund, warum das Reisen eine der ersten Branchen war, die in dem Markt gewachsen ist.“

Profitiert auch der Kunde?

Und der Online-Kanal ist lukrativ. Europas Marktführer im Ticketgeschäft, Eventim, erklärt: „Die Wertschöpfung im Internetvertrieb liegt sechs Mal höher als beim stationären Verkauf.“ 20  000 stationäre Vorverkaufsstellen zählt Eventim europaweit, doch die Bremer betonen, immer wichtiger werde „der Vertrieb über das margenstarke Internetgeschäft“.

Doch wenn die Marge online steigt, profitiert davon auch der Kunde? „Einerseits bringen Online-Tickets niedrigere Vertriebskosten mit sich, was Hoffnung auf niedrigere Verkaufspreise weckt. Aber gleichzeitig bieten sie den Kunden ja auch einen Mehrwert, weil der Erwerb komfortabler ist“, gibt Fachmann Hiotis zu bedenken. Der Kunde spare etwa das Anstehen im Geschäft. „Alles in allem würde ich also nicht sagen, dass höhere Margen automatisch zu niedrigeren Ticketpreisen führen.“ Niedrigere Preise im Online-Kanal müssen aus seiner Sicht nicht immer ein Resultat des transparenteren Preisvergleichs im Web sein. Unternehmen steuerten damit auch gezielt die Nachfrage. Ein Beispiel sei die Bahn, die Frühbuchern online hohe Rabatte biete.

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