Kommentar:

Das Patriarchat bei VW hat ein Ende

Nach mehr als acht Jahren an der VW-Spitze muss Martin Winterkorn gehen. Damit zieht das Präsidium in der skandalträchtigen Abgas-Krise die letzte Reißleine. Nichts anderes wäre vertretbar gewesen, meint Nachrichtenchef Marcel Auermann.

Verblendet gewesen? Im VW-Skandal um manipulierte Abgaswerte wirft Konzernchef Martin Winterkorn das Handtuch. Er selbst will aber nichts davon gewusst haben.
Julian Stratenschulte Verblendet gewesen? Im VW-Skandal um manipulierte Abgaswerte wirft Konzernchef Martin Winterkorn das Handtuch. Er selbst will aber nichts davon gewusst haben.

Martin Winterkorn besitzt selbst jetzt bei seinem Abgang Chuzpe, Überheblichkeit und Arroganz. Eigenschaften, die ihn verblendet haben. So sehr, dass er nicht mehr sah, was in seinem Mega-Konzern mit mehr als 600 000 Beschäftigten möglich war. Wie anders lässt sich erklären, dass er von diesen unfassbaren Auswüchsen geradezu überrascht ist? Ja, all diese schrägen, betrügerischen Dinge sind in seinem Unternehmen passiert! Ja, sie sind dort über Jahre gediehen, wo er das Betriebsklima bestimmte! Dass er sich nun keiner Schuld bewusst ist – da fällt einem nichts mehr ein. Der 68-Jährige musste weg. Schleunigst.

Nun sind nach Ferdinand Piech und Martin Winterkorn innerhalb weniger Monate zwei mit zweifelhaften Führungsstilen gegangen. Es ist für VW ein Befreiungsschlag. Endlich kann sich der Wolfsburger Wagenbauer mit einer neuen Unternehmensstruktur, die ins Heute passt und zugleich in die Zukunft weist, aufstellen.

Der Neue – ob Herbert Diess, Matthias Müller oder Andreas Renschler – hat VW zu einer Generalüberholung in die Werkstatt zu fahren. Tiefe Dellen lassen sich nicht so schnell ausbessern wie ein paar Kratzer im Lack. Der Nachfolger muss der Welt klarmachen: „Made In Germany“ ist Spitze, ohne Lug und Trug.

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