:

Der Super-Flop Gesundheitskarte

Viel soll das Wunderding bringen, das die meisten Versicherten schon haben: die Gesundheitskarte. Gekostet hat sie bereits fast eine Milliarde Euro - sie nützt bisher aber fast nichts.

Die neue Gesundheitskarte: Bislang wird sie wenig richtig genutzt.
Caroline Seidel Die neue Gesundheitskarte: Bislang wird sie wenig richtig genutzt.

Die elektronische Gesundheitskarte droht zu einem hunderte Millionen Euro teuren Debakel ohne Nutzen für die Patienten zu werden. Davor haben die deutschen gesetzlichen Krankenkassen am Donnerstag in Berlin gewarnt.

Leistungserbringer seien daran Schuld, kritisierte der Verwaltungsrat ihres Spitzenverbands in einer Erklärung. Gemeint sind vorwiegend die Kassenärzte, die aus Sicht der Kassen das IT-Projekt mit dem Kürzel eGK hintertreiben. Deren Organisation wiesen den Vorwurf zurück.

728 Millionen investiert

Kassen-Verbandssprecher Florian Lanz bestätigte, dass die Versicherungen bislang 728 Millionen Euro an Beitragsgeldern in die Karte investiert haben.

Zehn Jahre nach dem Beschluss zur Einführung der eGK ist diese heute weitgehend an die rund 70 Millionen gesetzlich Versicherten in Deutschland verteilt. Der einzige klare erkennbare Unterschied zur alten Krankenkassenkarte ist aber bislang: Sie trägt ein Foto des Versicherten. So soll Missbrauch verhindert werden. Als nächster Schritt sollen Daten wie etwa die Adresse via Online-Verbindung automatisch geändert werden können - etwa wenn der Versicherte umzieht. Dann müssen keine neuen Karten verschickt werden.

Kassenverband: Es gibt Dauerblockaden

Der Kassen-Verband warnte nun, wegen Dauerblockaden drohten solche Anwendungen zu unterbleiben. „Um von dem Mehrwert der Karte profitieren zu können und nicht ausschließlich die höheren Stückkosten der eGK zu tragen, sind Online-Anwendungen zwingend notwendig.“

Viele Hoffnungen ruhen auf der eGK: Sobald die Karte als Schlüssel für Online-Kommunikation über als sicher geltende Server funktioniert, sollen Ärzte Befunde und andere Informationen elektronisch übermitteln können. Fallakten über den Behandlungsverlauf sollen ausgetauscht werden können. Beispielsweise Doppelmedikationen und Therapie-Chaos sollen eingedämmt werden. Möglicherweise kommen später auch elektronische Rezepte und weitere Anwendungen hinzu. Doch wegen des Dauerstreits zwischen den beteiligten Verbänden von Ärzten, Kliniken, Apothekern und Krankenkassen steht all das noch in den Sternen.