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Deutschland will in den Kampf gegen den IS ziehen

Eigentlich wollte sich Deutschland aus den Luftangriffen gegen den sogenannten IS heraushalten. Doch jetzt steht die Bundeswehr vor einem Kampfeinsatz.

Im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat sollen "Tornado"-Aufklärungsflugzeuge eingesetzt werden.
Carsten Rehder Im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat sollen "Tornado"-Aufklärungsflugzeuge eingesetzt werden.

Die Bundesregierung vollzieht im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) eine dramatische Kehrtwende: Deutschland will sich nun auch militärisch am internationalen Einsatz gegen die Terrororganisation beteiligen - und zwar auch ohne UN-Mandat. Knapp zwei Wochen nach den Anschlägen von Paris beschloss die Regierung am Donnerstag, einer entsprechenden Bitte von Frankreichs Präsident François Hollande nachzukommen. Dieser reiste am Nachmittag nach Moskau, um mit Kremlchef Wladimir Putin über eine gemeinsame Strategie im Kampf gegen den IS in Syrien zu beraten.

Dritter Kampfeinsatz der Bundeswehr

Konkret will Deutschland "Tornado"-Aufklärungsflugzeuge für die Luftangriffe gegen die Terrormiliz bereitstellen, die bisher von den USA, Frankreich, Großbritannien, Russland und arabischen Staaten geführt werden. Das beschlossen Kanzlerin Angela Merkel und die zuständigen Minister am Mittag bei einem Treffen in Berlin, wie es aus Regierungskreisen hieß. Daneben soll die Bundeswehr ein Kriegsschiff, mindestens ein Tankflugzeug zur Betankung von Kampfjets der Anti-IS-Koalition und Satellitenaufklärung bereitstellen. Ein Mandat der Vereinten Nationen gibt es für den Einsatz nicht. Bislang hat sich Deutschland in der Region darauf beschränkt, die kurdische Peschmerga-Armee im Nordirak für den Kampf gegen den IS auszubilden, der auch mit deutschen Waffen geführt wird.

Mit einer Beteiligung an den Luftangriffen wäre die Bundeswehr zum dritten Mal in ihrer Geschichte in einen offensiven Kampfeinsatz involviert - nach dem Kosovo-Krieg und dem Kampf gegen die Taliban in Afghanistan. Die Bundesregierung wollte Deutschland ursprünglich aus den Luftangriffen gegen den IS heraushalten. Der Terror von Paris hat die Haltung aber verändert. Hollande hatte bei einem Treffen mit Merkel am Mittwochabend noch einmal nachdrücklich für ein stärkeres Engagement Deutschlands geworben.