Flebben-Jubiläum:

Die erste Führerscheinprüfung führte durch Paris

Ein Leben ohne Flebben ist heute kaum noch vorstellbar. Allein in Deutschland gibt es mehr als 1,5 Millionen praktische Tests jährlich. Die ersten Fahrprüflinge zitterten vor 120 Jahren.

Ihre Urgroßmutter Bertha fuhr schon vor 125 Jahren Auto: Jutta Benz im Mercedes-Benz-Museum.
Franziska Kraufmann Ihre Urgroßmutter Bertha fuhr schon vor 125 Jahren Auto: Jutta Benz im Mercedes-Benz-Museum.

Carl Benz, Erfinder des Automobils, ließ sich 1888 einfach vom Großherzoglichen Bezirksamt Mannheim den ersten Führerschein ausstellen. So konnte er ängstlichen Menschen eine gültige Fahrerlaubnis zeigen, wenn er mit knatterndem Gefährt daherkam. Bis zur ersten offiziellen Fahrprüfung vor 120 Jahren in Paris dauerte es aber noch fünf Jahre. Die Automobile Club Association – eine Art französischer ADAC – nennt den 14. August 1893 als ersten Prüfungstag. Über den ersten Prüfling gibt es jedoch keine Angaben.

Mit der heutigen Führerscheinprüfung hatte der damalige Test nicht viel gemeinsam: „Die Prüflinge mussten den Wagen starten, lenken und anhalten“, sagt Christian Scholly von der Automobile Club Association. Was für Autofahrer heute simpel klingt, war damals mit einigen Anstrengungen verbunden. „Man konnte nicht einfach den Schlüssel umdrehen und losfahren“, weiß Malte Dringenberg vom Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart.

Armbrüche wegen aggressiver Kurbel

Fahrer hatten mit einer sperrigen Lenkung, riesigen Reifen und dem großen Gefährt zu kämpfen. Schon das Starten war eine Wissenschaft für sich: „Mit einem Hebel am Lenkrad mussten Autolenker die Zündung nachjustieren und dann so fest wie möglich an einer Kurbel unter dem Kühler drehen, um den Motor von Hand anzuwerfen“, sagt Dringenberg. Das Ganze war auch gefährlich, weil die Kurbel zurückschlagen konnte und so einige Armbrüche verursachte.

Neben diesen Fertigkeiten wurden auch Reparaturkenntnisse abgefragt. „Weil Pferde immer wieder Hufnägel auf der Straße verloren, waren Reifenplatzer auch auf kurzen Strecken nichts Außergewöhnliches“, weiß Dringenberg zu erzählen.

Abgenommen hat die ersten Prüfungen in Paris das Bergamt, das für alle motorischen Geräte zuständig war. Führerschein-Aspiranten mussten männlich und mindestens 21 Jahre alt sein.

Erlaubt waren maximal zwölf Kilometer pro Stunde

Frauen waren dagegen erst vier Jahre später zur Prüfung zugelassen. Die erste Besitzerin eines Führerscheins wurde dann die Herzogin von Uzès. Eben jene Anne de Rochechouart de Mortemart war wenig später dann auch die erste Frau, die einen Strafzettel für zu schnelles Fahren kassierte. In Deutschland war Bertha Benz 1888 noch ganz ohne Führerschein zu ihrer Schwester aufgebrochen. Ihre Urenkelin Jutta fährt noch heute regelmäßig mit alten Autos aus dem Mercedes-Benz-Museum.

In Paris bekamen erfolgreiche Prüflinge damals ein Zertifikat ausgestellt und durften mit maximal zwölf Kilometern pro Stunde durch die Stadt fahren. Vom Eiffelturm zum Louvre – eine Strecke, die Touristen heute fix zurücklegen können – brauchte man mit dem Auto damals mehr als 20 Minuten. Auch blieb die Prüfung lange Zeit rein praktisch. Der theoretische Teil wurde zum Beispiel in Frankreich erst im Jahr 1970 eingeführt.

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