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Die Frau, die allen gefallen will

Dienstag wird die bisherige Sozialministerin in MV, Manuela Schwesig, als neue Bundesfamilienministerin vereidigt. Wird das politische Wunderkind nun erwachsen?

Sie hat nur sechs Jahre von der Schweriner Stadtvertreterin zur Bundes-Familienministerin gebraucht: Manuela Schwesig.
Rainer Jensen Sie hat nur sechs Jahre von der Schweriner Stadtvertreterin zur Bundes-Familienministerin gebraucht: Manuela Schwesig.

Manchmal hat man den Eindruck, einen sprechenden Hosenanzug vor sich zu haben: Manuela Schwesig trägt vor, was sie von ihren politischen Zieh-Vatis Erwin Sellering und Sigmar Gabriel gelernt hat. Ob im Landtag, in ihrem bisherigen Amt als mecklenburg-vorpommersche Sozial- und Arbeitsministerin, ob als SPD-Bundesvize – eigenes Profil, eigene Ideen und politische Vorstöße, sogar eine eigene Sprache sind Fehlanzeige.

Und doch – oder gerade deshalb – steht die heute 39-Jährige vor dem bisherigen Höhepunkt ihrer Blitzkarriere. Gerade einmal sechs Jahre hat Schwesig von der Schweriner Stadtvertreterin bis zur Bundesfamilienministerin gebraucht, zu der sie heute vereidigt wird. Im Kommunalparlament der Landeshauptstadt hat sie sich einst einen Namen gemacht, als sie nach dem qualvollen Tod der fünfjährigen Lea-Sophie auf Aufklärung drängte. Im Ergebnis trat Oberbürgermeister Norbert Claußen (CDU) zurück. Dienstag macht Schwesig vor allem durch ihre mediale Dauerpräsenz von sich reden – kein Talkshow-Publikum, das nicht bei drei auf den Bäumen ist, scheint vor der blonden, attraktiven SPD-Geheimwaffe sicher. Um dann dort zu wiederholen, was der geneigte Zuschauer vorher von älteren Herren schon fünf Mal gehört hat.

Es ist ihr Ernst mit ihren Themen

Dabei hätte die in Frankfurt an der Oder gebürtige Steuerrechtlerin, die verheiratete Mutter eines kleinen Sohnes, die Landesministerin, es gar nicht nötig: Wer sich mit ihr ohne große Kulisse unterhält, merkt schnell, dass es ihr Ernst ist mit Themen wie soziale Gerechtigkeit, Kinderfreundlichkeit, Frauenrechten und den Belangen Ostdeutschlands. Zu ihrer Bilanz in Mecklenburg-Vorpommern muss man gerechterweise das neue Kita-Gesetz zählen, das bis zu 100 Euro geringere Elternbeiträge in der Krippe und kleinere Gruppen im Kindergarten vorsieht. Wenngleich es das Gesetz ganz sicher nicht ohne den Segen von Ministerpräsident Sellering und der eigentlich richtig starken Frau in seinem Kabinett, Finanzministerin Heike Polzin (SPD), gegeben hätte.

Kein großer Wurf, keine Initiative

Als Sozialministerin hat sich Schwesig also halbwegs wacker durchs Unterholz geschlagen, als Arbeitsministerin indes war vom frischen Gesicht der Sozialdemokratie fast nichts zu spüren. Kein großer Wurf, keine Initiative, nicht mal dann eine öffentlichkeitswirksame Einmischung, als die MV-Unternehmerverbände ankündigten, den mit der Regierung geschlossenen Tariftreue-Pakt aufzukündigen. Das Reden hatte der dominante Papa übernommen.

Schwesig ist noch nicht ganz weg nach Berlin, da hagelt es schon Kritik, weil sie möglicherweise ihr Landtagsmandat behalten will. Wie soll das zu schaffen sein – ein Vollzeit-Job als Bundesfamilienministerin und einer als Abgeordnete? Gar nicht – beziehungsweise nur mit netten Presseerklärungen, die ein Sein vorgaukeln, wo nur ein Schein ist. Und wie wird es der Frau, die gefallen will, in Berlin ergehen? Wie mit einer Kanzlerin Merkel, die durch Schwesig während des Wahlkampfes so heftig attackiert wurde? Im Parteiauftrag, versteht sich. Zeit für die fast 40-Jährige sich abzunabeln. Oder nun Muttis brave Einser-Schülerin zu werden.

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