Kommentar:

Die Kanzlerin ist zurecht die Person des Jahres

Die Flüchtlingsströme. Die Eurokrise. Die Pleite Griechenlands. Das Gezerre um die Ukraine. Wieder und wieder steuerte Angela Merkel ihr Land und Verbündete durch unsicheres Fahrwasser. Für ihre Politik des "Wir schaffen das" kürt das US-Magazin "Time" sie nun mit der höchsten Auszeichnung. Eine gute Entscheidung, meint Nachrichtenchef Marcel Auermann.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist vom New Yorker "Time"-Magazin als Person des Jahres 2015 ausgezeichnet worden.
Michael Kappeler Bundeskanzlerin Angela Merkel ist vom New Yorker "Time"-Magazin als Person des Jahres 2015 ausgezeichnet worden.

Jahrelang bezeichneten sie die Deutschen als die Eiskönigin, als die Unnahbare, als die Aussitzerin, als die Emotionslose. Kurz: die Dahinmerkelin. Schluss damit! Diese Frau ist ganz anders. Und in diesem Jahr kam sie endlich dazu, es auch zu zeigen. Sei es bei der Ukraine-, der Griechenland- oder der Finanzkrise. Ganz besonders jedoch bei der Flüchtlingskrise. Die Not der Asylbewerber berührte ihr Herz und sie war sich nicht zu fein, das öffentlich zu zeigen. Warum? Weil die Pfarrerstochter aus der DDR Menschen- und Freiheitsrechten größte Priorität beimisst. Sie erlebte es anders. Sie weiß, was es heißt, alles aufzugeben, Heimat, Familie, Freunde zurückzulassen und irgendwo bei null neu zu beginnen.

Ja, seit diesem Jahr erleben wir eine empathische, für ihre Verhältnisse emotionale Kanzlerin, eine, wie wir sie uns lange gewünscht haben. Nun ist es vielen aber auch nicht recht. Sicher muss man Angela Merkels Politik nicht lieben, sie eins zu eins gutheißen. Man muss der 61-Jährigen aber stets zugutehalten, dass sie nicht den Weg des geringsten Widerstandes geht, sondern den, der aus ihrer Sicht für ihr Land der beste ist.

Selbst wenn der Titel „Person des Jahres“ nichts ist, dem die Mächtigen dieser Welt hinterherjagen, so sagt er viel über den Biss, die Werte und die Menschlichkeit der Kanzlerin aus. Hochachtung!