Bundestagswahl 2013:

Die neue Entschlossenheit des Peer Steinbrück

Der SPD-Kanzlerkandidat ackert sich wahlkämpfend durch die Republik. Sämtliche Umfragen sprechen gegen ihn. Aber noch haben Steinbrück und sein Team nicht aufgegeben.

Trotz mieser Umfragen gibt Peer Steinbrück die Wahl noch nicht verloren.
Hannibal Hanschke Trotz mieser Umfragen gibt Peer Steinbrück die Wahl noch nicht verloren.

Der Blick hat beinahe schon etwas Triumphierendes. Peer Steinbrück strahlt und winkt zufrieden. Der Startschuss am Hamburger Michel, beim Heimspiel in seinem Geburtsort, ein voller Erfolg. „Na also, geht doch!“, glaubt man am Ende in seinen Gesichtszügen lesen zu können. Hoffnung beim Kandidaten, Hoffnung beim Parteivolk und den Anhängern.

Kommt jetzt die Aufholjagd? Ist das die Wende sechs Wochen vor der Bundestagswahl? Entspannt, beinahe tänzelnd, bewegt sich Steinbrück 45 Minuten lang um das Rednerpult auf der kreisrunden Bühne herum – mehr Talkshow als Kundgebung.

Bühne bei U2 abgeschaut

„Noch 45 Tage, und wir sind sie los“, beschwört Steinbrück das nahende Ende der Kanzlerschaft von Angela Merkel, mögen die Meinungsumfragen auch bisher noch eine andere Sprache sprechen. „Wir können den Wechsel schaffen mit Rot-Grün. Und mit mir als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland“, ruft der Kandidat in die Menge.

Die 360-Grad-Arena soll sich Steinbrück bei der irischen Pop-Band U2 abgeschaut haben. Ganze Stadien füllt der SPD-Mann zwar noch nicht, doch immerhin rund 2000 Besucher lauschten ihm am Donnerstagabend auf der Michelwiese beim Start seiner heißen Wahlkampfphase und der Kundgebungsreihe „Klartext live“. Jubel für Steinbrück, der plötzlich ungewohnt entspannt und gelassen wirkt.

Kein Alkohol bis 22. September

Ist es das Gefühl, nicht mehr viel verlieren, sondern eher gewinnen zu können, weil ihn viele bereits abgeschrieben haben und ihn die Demoskopen im Sympathiewettbewerb mit der Kanzlerin weit hinten sehen? Oder war es Altkanzler Gerhard Schröder, der ihn wieder aufgebaut, ihm eine zweite Luft eingehaucht hat? Schröder, der als Wahlkämpfer bis heute bei Schwarz-Gelb gefürchtet ist und als Meister der Aufholjagd, als „Rampensau“ auf den Marktplätzen gilt, soll Steinbrück eine kleine Gebrauchsanweisung für die kommenden Wochen bis zum 22. September mit auf den Weg gegeben haben.

Erstens: Immer genügend Oberhemden einpacken zum Wechseln, schließlich ist Bundestagswahlkampf ein schweißtreibender Job. Zweitens: Ackern, ackern, ackern, und das tut Steinbrück in diesen Tagen. Drittens: Nichts mehr lesen von den Verrissen, in denen er bereits frühzeitig abgeschrieben wird. Und viertens: Kein Alkohol mehr bis zum 22. September, abends, 18 Uhr.

Hoffen auf das TV-Duell

Steinbrück will angreifen. „Wir werden laufen, laufen, laufen“, verspricht er. Während die Kanzlerin die Tiroler Berglandschaften bewandert, eilt der Herausforderer von Wahlkampfbühne zu Wahlkampfbühne, tourt von früh morgens bis in die Nacht durch die Republik – zu Lande, zu Wasser und in der Luft.

Steinbrück klappert die Talk-Show-Studios ab, gibt Interviews und bereitet sich auch auf das TV-Duell mit Angela Merkel am 1. September vor. Ein Kräftemessen vor Millionen-Publikum, von dem man sich in der SPD-Wahlkampfzentrale noch einen Schub erhofft.

Sechs Wochen noch bis zur Wahl. Im Team des Herausforderers von Bundeskanzlerin Angela Merkel, wo man auf einen Last-Minute-Erfolg setzt, heißt es schlicht und einfach: „Jetzt erst recht!“