Haushaltsgeräte bei der Funkausstellung:

Die schöne neue Welt der Heimtechnik

Die Hausgerätehersteller verdienen gut in Deutschland. Denn wo mehr Haushalte entstehen, braucht es auch mehr Öfen und Waschmaschinen.

Saubere Socken durch Musik? Nein. Lediglich die geringe Arbeitslautstärke der Waschmaschine soll hier betont werden.
Rainer Jensen Saubere Socken durch Musik? Nein. Lediglich die geringe Arbeitslautstärke der Waschmaschine soll hier betont werden.

Berlin. Ein riesiges Mobile aus glänzenden Weingläsern wirbt für „Geschirrspülen mit Brillanz“. In der „modernen grifflosen Küche“ öffnet man Türen per Sensor. Wer auf der Elektronikmesse IFA die Stände mit Waschmaschinen, Öfen und Staubsaugern abschreitet, denkt an alles – nur nicht an Fettspritzer und Rückenschmerzen. Die polierte Welt, die Hausgerätehersteller in Berlin erschaffen haben, glänzt dieses Jahr besonders mit zwei Attributen: noch sparsamer und teurer.

In Europa stammte 2012 mehr als jedes zweite verkaufte Haushaltsgerät aus der Energieeffizienzklasse A+++ und A++. Die Klassen helfen kaum noch weiter. Die Marke AEG hat Kühlschränke auf die IFA gestellt, die die beste Kategorie um zehn Prozent toppen, eine 50 Prozent sparsamere Waschmaschine preist Siemens an. Für die Kunden wird das Vergleichen komplizierter.

Kühlschrank fotografiert sein Innenleben

Für die Hersteller lohnen sich die sparsamen Geräte. „Für A+++ oder besser gibt der Konsument auch 100  Euro mehr aus“, sagt Siemens-Hausgeräte-Geschäftsführer Roland Hagenbucher, der wie andere Hersteller Preiserhöhungen ankündigt. Seine Branche profitierte in den vergangenen Jahren auch vom Immobilienboom. „Wir stellen einen hohen Renovierungsbedarf fest. Und es wird hochwertiger gekauft“, sagt Hagenbucher.

Auch digitale Trends haben die Hausgeräte erfasst. Da ist der Kühlschrank, der sein Innenleben fotografiert, damit sein Besitzer unterwegs auf seinem Smartphone sehen kann, welche Lebensmittel noch da sind. Auch die Sorge, ob zu Hause der Herd wirklich aus ist, soll bald der Vergangenheit angehören. Online wird informiert, ob alle vernetzten Haushaltshelfer ausgeschaltet sind.

Branche ist ernüchtert: Käufer sind noch skeptisch

Beim Thema vernetztes Heim leuchten die Augen aber nicht so hell wie früher. Kühlschrank, Trockner und Herd von unterwegs zu steuern – das haben manche Hersteller wieder in die Abteilung Zukunftsmusik gerückt. Bei Siemens soll es erst nächstes Jahr die ersten Geräte mit WLAN zu kaufen geben.

Ernüchterung auch bei Miele, das vor einigen Jahren sein „Smart Grid“ vorstellte, in dem etwa die Waschmaschine anspringt, wenn der Strom am günstigsten ist. Die Zahl der verkauften „Smart Grid“-Geräte liege im niedrigen Tausender-Bereich, sagt Sprecher Carsten Prudent. Man arbeite jedoch weiter an der Technologie. Intelligente Hausgeräte seien eines der Schlüsselthemen, meint Branchensprecher Reinhard Zinkann. Die Kunden seien aber noch nicht ausreichend informiert. „Wir müssen den Zusatznutzen besser erklären.“

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