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Ehe für alle

Mit der Forderung nach voller Gleichstellung homosexueller mit heterosexuellen Paaren in der Ehe hat der Bundesrat die schwarz-rote Koalition im Bund unter Druck gesetzt. Nachrichtenchef Marcel Auermann fordert ein Ende der Diskriminierung und die Regierung zum Handeln auf.

Im Bundesrat gibt es eine klare Mehrheit: Kanzlerin Merkel soll den Weg frei machen für die "Ehe für alle".
Paul Zinken Im Bundesrat gibt es eine klare Mehrheit: Kanzlerin Merkel soll den Weg frei machen für die "Ehe für alle".

Nehmen wir den Stockkonservativen gleich den Wind aus den Segeln: Nein, es gibt keinen einzigen Paragrafen, keinen einzigen Passus, noch nicht einmal einen kleinen Nebensatz in den Gesetzeswerken dieses Landes, der die Ehe nur und ausschließlich als Verbindung zwischen Mann und Frau beschreibt. Selbst der oft angeführte Zweck zur Vermehrung lässt sich nirgends finden. Mal davon abgesehen, dass dann jede kinderlose Ehe für nichtig erklärt werden müsste.

Was also die aktuelle Regierung der Bundesrepublik, insbesondere CDU und CSU, einige verkrustete, wenig weltoffene Teile der Gesellschaft bisher betrieben und betreiben, ist nichts weiter als die Ächtung, Benachteiligung, Diskriminierung und Herabwürdigung der Liebe zwischen Mann und Mann sowie Frau und Frau.

Die, also die Homosexuellen, haben doch schon, was sie wollen – wer so argumentiert, hat nichts verstanden und sich mit keinem Wort mit der Homo-Ehe beschäftigt. Sie trägt, und auch das nur im Volksmund, vielleicht das gleiche Etikett, ist aber mitnichten das Gleiche. Rein rechtlich ist es nur eine eingetragene Lebenspartnerschaft, die mit vielen Pflichten, aber viel weniger Rechten ausgestattet ist. Nach wie vor gibt es keine gleichen Rechte bei der gemeinsamen Adoption eines Kindes, der Übernahme eines Hofes durch den Lebenspartner, im Sprengstoffgesetz, im Infektionsschutzgesetz, im Bundesvertriebenengesetz, im Strafrecht sowie bei der gesetzlichen Renten- und Unfallversicherung. Dies soll nur ein kleiner Auszug sein. Die Ungleichbehandlung betrifft laut der Grünen-Fraktion 150 Regelungen in 54 Gesetzen und Verordnungen.

Diese Rechtsverachtung kann keiner plausibel erklären. Warum stemmen sich immer noch so viele gegen eine Ehe für alle als ob den Heterosexuellen etwas weggenommen würde? Was ändert sich denn für verheiratete Männer und Frauen, wenn auch Männer zu Männern und Frauen zu Frauen Ja sagen dürfen? Nichts! Null!

Alle behalten die Vorteile, die sie schon immer genossen. Nur die, die sie bisher nicht hatten, bekommen sie hinzu. Und obendrein die Akzeptanz, den Respekt für ihre Liebe.

Denn was ist Ehe? Eine Verbindung zweier Menschen – egal welchen Geschlechts –, die sich herzen, streiten, versöhnen, miteinander und aneinander wachsen, immer füreinander einstehen, in eine gemeinsame Zukunft gehen wollen, ohne diese und ihre vielleicht furchtbaren Unwägbarkeiten zu kennen. Kurzum: Die höchste Form der Liebe, bis dass der Tod Mann und Frau, Mann und Mann, Frau und Frau bitter auseinanderreißt.

Es ist Zeit, zu handeln. Jetzt! Die Union muss sich bewegen. Auch zwei Drittel der Deutschen sind sich darin einig.