Wulff-Prozess:

Ein Küsschen und amüsante Banalitäten

Von Hass keine Spur: Erst die Umarmung, dann die Vernehmung – der ehemalige Bundespräsident und seine von ihm getrennt lebende Frau begrüßen sich herzlich. Im Gerichtssaal gibt es dann die erhoffte Rückendeckung im Korruptionsprozess.

Die Wulffs begrüßen sich im Landgericht Hannover.
Julian Stratenschulte Die Wulffs begrüßen sich im Landgericht Hannover.

Elegante weiße Bluse, enger schwarzer Minirock, hohe Schuhe, schlichter Pferdeschwanz: Als Bettina Wulff den Saal 127 im Landgericht Hannover betritt, bleibt Christian Wulffs Blick starr nach vorne gerichtet. Auch als die 40-Jährige Platz nimmt, würdigt der ehemalige Bundespräsident sie keines Blickes. Doch die vermeintliche Kälte gibt es nicht. Fünf Minuten vorher hat sich das getrennt lebende Paar auf dem Flur des Gerichts umarmt, Küsschen auf die Wange inklusive. Einzig die Eheringe sucht man vergeblich.

Bettina Wulff wirkt sicher und überlegt

„Wir haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis“, beschreibt sie die Beziehung dem fragenden Richter Frank Rosenow. „Wir sehen uns regelmäßig und telefonieren.“ Von Hass könne überhaupt keine Rede sein. Im Saal ist es zu diesem Zeitpunkt mucksmäuschenstill.

„Ich möchte aussagen und werde natürlich die Wahrheit sagen“, sagt die ehemalige „First Lady“. Ihre Stimme wirkt sicher und die Wortwahl der PR-Fachfrau gerade zu Beginn ihrer Ausführungen wohl überlegt, etwa wenn sie von einer „engen Zugeneigtheit“ zwischen ihrem Mann und dem mitangeklagten Filmfinancier David Groenewold spricht.

Die Babysitterin sei attraktiv gewesen

Zur Erinnerung: Wulff wird Vorteilsannahme im Amt als niedersächsischer Regierungschef während eines Oktoberfestwochenendes 2008 vorgeworfen. Die angekündigten Ermittlungen kosteten Wulff 2010 das Amt, bei einer Verurteilung drohen bis zu drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe. Während der Befragung durch Richter Rosenow liefert Bettina Wulff zwar wenige Neuigkeiten – aber teils amüsante Banalitäten. Auch Christian Wulff kann sich bisweilen ein Schmunzeln nicht verkneifen. Etwa als sie erwähnt, die Babysitterin sei „sehr attraktiv gewesen“. Wulff dürften die Aussagen freuen: Im Kern stützt sie dessen Aussage, mit Groenewold eine enge Freundschaft zu pflegen.

Dagegen dürfte Oberstaatsanwalt Clemens Eimterbäumer besorgt den Saal verlassen haben. Für die von ihm in der Anklage formulierten Vorwürfe, Groenewold habe einen Teil der Kosten für Hotel und Logis von Wulff rund um das Wiesn-Wochenende wissentlich und in Erwartung einer Gegenleistung übernommen, finden sich keine Zeugenaussagen. Für den 19. Dezember hat Rosenow eine Zwischenbilanz angekündigt.

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