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Elektro-Hersteller sollen Lebensdauer nennen

Joghurt und Milch sind nicht jahrelang haltbar, Kaffeemaschinen und Handys dagegen schon. Trotzdem landen solche Geräte viel früher als notwendig auf dem Müll. Kann ein Haltbarkeitsdatum für Elektrogeräte daran etwas ändern?

Noch funktionstüchtig und dennoch Elektro-Schrott: Oft landen Produkte im Müll, wenn neue gekauft werden.
Bernd Thissen Noch funktionstüchtig und dennoch Elektro-Schrott: Oft landen Produkte im Müll, wenn neue gekauft werden.

Der Fernseher eine Nummer größer, die Kaffeemaschine in Edelstahl statt Plastik und das Smartphone noch etwas smarter: Die Bundesbürger kaufen in immer kürzeren Abständen neue Elektrogeräte. Viele Altgeräte landen im Müll, obwohl sie noch funktionieren. „Spätestens, wenn das alte Handy von anderen als Telefonzelle verspottet wird, sucht man sich ein Neues“, sagt Maria Krautzberger, die Präsidentin des Umweltbundesamts (UBA). Die Behörde hat der Verschwendung den Kampf angesagt. Doch der wird nicht leicht zu gewinnen sein.

Waschmaschinen, Trockner und Kühlschränke werden heute nach 13 Jahren ersetzt, ein Jahr früher als noch vor zehn Jahren, wie das Amt ermittelt hat. Jedes dritte Gerät sei dann noch funktionstüchtig. Ein neuer Flachbildfernseher komme nach gut fünfeinhalb Jahren ins Wohnzimmer, obwohl das Altgerät in 60 Prozent der Fälle noch laufe – dann womöglich in Küche oder Kinderzimmer; die Zweitnutzung wurde nicht untersucht.

„Die Lebens- und Nutzungsdauer sinkt, die Entwicklungsdynamik wächst“, fasst Krautzberger zusammen und lässt auch untersuchen, ob Hersteller Geräte wie Fernseher, Drucker oder Rührgeräte bewusst so bauen, dass sie zeitig kaputtgehen. Rainer Grießhammer, Geschäftsführer des Freiburger Öko-Instituts, sekundiert: „Was wir nicht wollen, sind Drucker mit eingebautem Todesdatum.“

Nutzer sollten Ersatzteile zur Verfügung haben

Für den geplanten Produkttod hat die Stiftung Warentest jedoch keinen Beweis finden können, wie Vorstand Hubert Primus sagt. „Das ist auch nicht das Hauptproblem.“ Die Warentester stört mehr, wenn Verbraucher Geräte nicht mehr nutzen können, weil Software vom Druckertreiber bis zum Betriebssystem nicht mehr aktualisiert wird. Wenn es nach wenigen Jahren keine Ersatzteile gibt. Oder wenn Smartphones und Tablets verklebt werden statt verschraubt – Reparatur ausgeschlossen.

Oft lohne sich die Reparatur aber nicht, räumt Primus ein. Fernseher etwa würden in Ländern wie China billig hergestellt. Repariert werden müssten sie teuer in Deutschland. Selbst schuld ist aus Primus‘ Sicht aber, wer zu Billigware greift. „Wer für einen Staubsauger weniger als 80 Euro ausgibt, wird ein Gerät bekommen, das schneller in die Knie geht.“ Bei Waschmaschinen liege die Grenze etwa bei 500 Euro.

Geräte sollen länger halten

Das Umweltbundesamt will mit einer einheitlichen, gesetzlichen Mindestlebensdauer-Kennzeichnung erreichen, dass Geräte länger halten und in Gebrauch bleiben. Solche Angaben gibt es bisher nur in Ansätzen: Notebook-Hersteller müssen angeben, wie oft sich der Akku mindestens aufladen lässt. Leuchtmittelhersteller geben Betriebsstunden an.

Meistens gelte, je langlebiger, desto umweltfreundlicher, meint das Umweltbundesamt. Auch wenn die Werbung verspreche, dass die neueste Waschmaschine noch mehr Strom und Wasser spare. In den vergangenen Jahren habe es keine großen Fortschritte gegeben. Außerdem blende Reklame die Öko-Bilanz bei der Herstellung und den Verlust von Rohstoffen beim Recycling aus.

Verschwendung oder minderwertige Qualität

Von der Mindestlebensdauer-Kennzeichnung sind Industrie und Verbraucherschutz nicht überzeugt. „Solche Labels wären wünschenswert, aber sie müssen auch praktikabel sein“, sagt Primus. Die Lebensdauer einheitlich zu ermitteln, sei schwierig. Ähnlich äußert sich der Branchenverband ZVEI. Geschäftsführer Klaus Mittelbach setzt auf Qualitätswettbewerb. „Die deutschen Hersteller werden alles tun, damit der Kunde beim nächsten Mal auch wieder sein Produkt kauft.“

UBA-Soziologe Christian Löwe sieht ohnehin tiefere Ursachen der Verschwendung. „Die Menschen kaufen ja nicht bewusst mehr. Sie denken, sie müssen es tun, weil andere es auch tun.“ Dies sei ein kulturelles Problem. „Das Aufholen-Wollen, das Dazugehören-Wollen spielt eine große Rolle.“ „Kurzlebigkeit als Überlebensstrategie“ – aus Löwes Sicht ist das ein Teufelskreis.

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