Mangel an Pflegekräften:

Engpass macht sich stärker bemerkbar

In der Region sind Fachkräfte in der Pflegebranche dringend gesucht. Noch können die Pflegeeinrichtungen ihren Qualitätsstandard aber offenbar halten. Doch wie soll das funktionieren, wenn künftig die Zahlen Pflegebedürftiger steigen?

Bis 2030 soll es in MV über 50 und in Brandenburg über 70 Prozent mehr Pflegebedürftige geben. Doch bereits jetzt gibt es zu wenige Pflegekräfte.             
Uwe Anspach Bis 2030 soll es in MV über 50 und in Brandenburg über 70 Prozent mehr Pflegebedürftige geben. Doch bereits jetzt gibt es zu wenige Pflegekräfte.  

„Man kann schon von einer Engpasssituation in der Branche sprechen“, sagt Klaus-Peter Köpcke von der Agentur für Arbeit in Greifswald. Zwar gebe es keine gesonderten Zahlen für den Pflegebereich. Doch von Oktober 2012 bis September 2013 verzeichnete die Agentur für Arbeit in Greifswald im gesamten Gesundheitsbereich 146 offene Stellen. Dem standen 332 gemeldete Arbeitslose gegenüber. Ab einem Verhältnis zwischen offenen Stellen und verfügbaren Arbeitskräften von 1 zu 3 schlagen bei der Agentur die Alarmglocken. Diese Grenze wurde in Greifswald nun überschritten. Im Jahr zuvor kamen auf eine freie Stelle im Gesundheitssektor noch vier Arbeitslose.

Nicht überall ist die Entwicklung so bemerkenswert. „Jeder Bereich hat Probleme, Fachkräfte zu bekommen, der Pflegebereich ist daran nicht überdimensional beteiligt“, beurteilt etwa Nicole Krause von der Agentur für Arbeit in Neubrandenburg die Situation.

Pflegeberufe bei Berufswahl eher unbeliebt

Dennoch: Experten sind der Meinung, dass die Situation in der Gesundheitsbranche, speziell im Pflegebereich, eine besorgniserregende Entwicklung nimmt. „Es wird sich perspektivisch weiter verschärfen“, ist die Einschätzung von Diane Hollenbach. Sie ist beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) zuständig für die Qualitätsprüfungen, denen sich Pflegeeinrichtungen regelmäßig unterziehen müssen. „Es gibt ein erhebliches Problem, qualifiziertes Personal zu finden“, so Hollenbach. Schichtdienst und eine relativ geringe Bezahlung, dazu die körperliche Belastung – Pflegeberufe genießen bei der Berufswahl nicht gerade ein hohes Ansehen. Immer mehr Pflegebedürftigen stehen immer weniger Junge gegenüber, die pflegen können. Laut Modellrechnungen der Bertelsmann Stiftung werde die Zahl Pflegebedürftiger bis 2030 in Mecklenburg-Vorpommern um 56 Prozent steigen. In Brandenburg sind es sogar 72 Prozent. Bundesweit gab es 2,34 Millionen im Jahr 2009, 2030 wären es der Rechnung nach 3,4 Millionen Pflegebedürftige bundesweit.

Qualität der Arbeit bisher nicht betroffen

Immerhin scheint sich die schwierige Personalsituation gegenwärtig nicht auf die Qualität der Pflege niederzuschlagen. Zu diesem Urteil kommen zumindest die Heimaufsichten. „Bisher sind bei den Prüfungen der Heimaufsicht keine wesentlichen Verstöße gegen die gesetzlichen Vorschriften festgestellt worden“, sagt Rainer Plötz vom Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Auch aus dem Landkreis Vorpommern-Greifswald ist solches nicht bekannt. Bei der regelmäßigen Benotung der Pflegeeinrichtungen durch den MDK und den Prüfdienst des Verbandes der privaten Krankenversicherung liegen die Einrichtungen in MV im bundesdeutschen Durchschnitt. Im Oktober 2013 erhielten die stationären Einrichtungen im Land durchschnittlich die Note 1,2. Ambulante Einrichtungen bekamen im Schnitt eine 1,4.

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